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1 (1881)
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192 NATURPOESIE.

liehen Wahrheit recht innerlich begründet, und man sieht wohl,dass es nicht zusammengelegt, sondern aus einem Keim ent-sprossen und zusammengewachsen ist. Man wird es einmal ein-sehen, dass dies poetische Auffassen keine Lüge, weil es in derNatur begründet ist, indem zur Wahrheit nicht das Factum hin-reicht, sondern auch der Eindruck gehört, den es in das Ge-müth der Lebenden macht; und diese poetische Ansicht, dieseslebendige Blühen dabei sein muss, wie das Volk seinen Königmit der glänzenden Krone und dem Purpur bekleidet, ja, welches,als Symbol auf die unvergängliche Idee hindeutend, das Höhereist. Dann wird man auch die Bedeutung solcher Lieder wiedererkennen, wie es Herodot, Snorro Sturleson, auch JohannesMüller gethan, denen der wenige Verstand gewiss nicht abgieng,welcher nöthig ist, einzusehen, dass da von einer bildlichen nichtfactischen Wahrheit die Rede sei. Man darf auch nicht glauben,dass dieser Ausdruck der Geschichte durch das Wunderbarewillkürlich sei und absichtlich entstanden, sondern es ist dererste, eigenste und in sich nothwendige, wie das Bild stets demsogenannten unverhüllten Ausdruck vorangegangen, und wie(nach Creuzer*)) Symbol und Mythe die natürliche und uran-fängliche Bezeichnung des Göttlichen gewesen. Merkwürdig istauch, dass wir im Shakespeare, der recht gewusst hat, die Welt-geschichte zu behandeln, dieselbe Ansicht und dieselbe Verbin-dung des Wunderbaren und der klaren urkundlichen Wahrheitfinden, (wie ganz ist die nächtliche Erscheinung im Walde, dieden König Erich warnt und dann verschwindet, in seinem Geist!)und wir dürfen wohl glauben, dass er, in welchem sich Naturund Kunst wieder vermählt, der Stimme des Volks gefolgt seiund der Geschichte vertraut habe, wie sie gewachsen war, nicht,wie sie von geschäftigen Händen getrocknet und aufbewahrtworden. Die Geschichtschreiber achten es gering, auf das Privat-leben Rücksicht zu nehmen, und beschreiben nur das politischeTreiben, während doch die Götter selbst zu den Wohnungender Menschen herabgestiegen sind und ihr Leben betrachtethaben. Der einäugige Othin ist oft verkleidet in die Hallen

0 Symbolik I, 42. 63.