ALTDÄNISCHE HELDENLIEDER. 191
scheuungswürdigste, über den Gang der Sonne und die Kühedes Todten: wer sie nicht löst, den erschlägt er; trotzig sitzter unter den Helden, ihre Anerbietungen gefallen ihm nicht, erreitet heim, erschlägt zwölf Zauberweiber, die ihm entgegenkommen, dann seine Mutter, endlich zernichtet er auch seinSaitenspiel, damit kein Wohllaut mehr den wilden Sinn besänftige.Es scheint dieses Lied vor allen in einer eigenen Bedeutunggedichtet und den Missmuth eines zerstörten herumirrenden Ge-müths anzuzeigen, das seine Räthsel will gelöst haben: es istdie Angst eines Menschen darin ausgedrückt, der die Flügel,die er fühlt, nicht frei bewegen kann und der, wenn ihn dieseAngst peinigt, gegen alles, auch gegen sein Liebstes wüthenmuss. Dieser Charakter scheint dem Norden ganz eigenthüm-lich; in dem seltsamen Leben Königs Sigurd, des Jerusalem-fahrers 1 ), auch in Shakespeares Hamlet ist etwas Ähnliches.
Am Ende sind mehrere Lieder zusammengestellt, die ihrenStoff aus der Geschichte des zwölften und dreizehnten Jahrhun-derts genommen. Es zeigt sich in ihnen recht merkwürdig dieArt, wie sich das Volk diese aufbewahrt und zu eigen macht,denn sie sind sämmtlich viel gesungen und gelesen worden.Vergleicht man damit die Parallelstellen aus der urkundlichenGeschichte, die in dem Anhang gesammelt sind, so wird mansehen, wie genau sie sich an die factische Wahrheit halten.Allein sie enthalten noch etwas mehr, nämlich eine poetischeAnsicht und Ausschmückung. In dem Cyklus von dem Mar-schall Stig, in welchem sich, wie irgend in einer griechischenMythe, die Macht des Schicksals darstellt, denn er muss die Ehreseines Weibes rächen, und nun rächt sich die beleidigte Heilig-keit der Königswürde wieder an seinen Freunden und Kindern,dass die Töchter des mächtigen Mannes bettelnd durch die Weltziehen und die Gnade anderer anrufen, bis ein fremder Königdie Wegemüden aufnimmt: aber die eine stirbt, die andere ziehtein Zauberer ins Wasser; in diesem Liedercyklus erscheint jeneVerbindung des Wunderbaren, des Phantastischen (wie derTanz, womit das Schloss gewonnen wird,) mit der geschicht-
') Heimskringla XH.