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1 (1881)
Seite
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ALTDÄNISCHE HELDENLIEDER. 189

entferntesten Gegenden von einer gemeinsamen Melodie übriggeblieben. In dem Gemüth des Menschen liegen Erinnerungenaus der frühesten Kindheit, oft lange, und stehen auf einmalhell vor ihm, aber Stätte oder Zeit ist vergessen: warum solltensie den Völkern nicht geblieben sein, und was kann es hindern,dass der lebendige Sinn, der keine Zeitrechnung kennt, sie andie Gegenwart knüpft? Nur als ein herrliches Zeichen in dieserstehend, kennt die Poesie eine Vorzeit nicht als etwas Vergangenes.Die andere Abtheilung enthält Balladen und Märchen.Diese werden den meisten näher stehen, nicht nur wegen ihrerMannigfaltigkeit, sondern auch weil es unmöglich ist, dass diesePoesie nicht für jedes Gemüth einen Punkt habe, der es be-rühre und erfreue. Hier sind alle Farben des Lebens ausge-theilt: Scherz, Lust, Muth, Üppigkeit, treue Liebe, Trauer undhöchstes Leiden, und in der Tiefe ruhen die Geheimnisse einesschönen Glaubens, der die ganze Natur belebt und erhöht, denStein vor Leid ins Wasser sinken lässt, Zwerge aus den Felsenhervorgehen, einen kleinen Vogel in eine schöne Jungfrau sichverwandeln. Er ist die eigentliche Mariboequelle, aus welcheralles, was getrennt und getödtet wurde, vereinigt und lebendigwieder aufsteht. "Wie einfach, wie unbedeutend sieht manchesaus, und doch wie poetisch, wie reizend dies stille Wesen! Eineverwaiste Jungfrau steht am Bach und wäscht, da kommt einstolzer Ritter vorbei, der spricht mit ihr und entdeckt sich alsBruder und führt sie zum Glück; eine andere näht einsam inder Kammer und weint, weil der Ritter sie verrathen, dem sieanvertraut worden, oder weil der junge König sie gelockt undihr Geschenke gegeben; beiden aber wird es noch wohl. Da-gegen in andern ist die Zauberei hellwarmer nordischer Sommer-nächte: die Königin hört im Bett den Klang zum Tanz undeilt mit ihren Jungfrauen hinaus; Stolz Signild lässt sich nichtabrathen, geht zum nächtlichen Reihen und muss verderben;oder vor dem halb Träumenden tanzen die Elfenjungfrauen, derenAnschauen und Schlag ans Herz den Tod bringt. Wer wirdes ohne Rührung lesen, wie die Mutter im Grab ihre weinendenKinder hört und aufsteht, sie zu trösten? wie Goldburg ihrenLiebsten in den Tod ruft? oder wie Hafbur lieber sterben will,