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1 (1881)
Seite
187
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ALTDÄNISCHE HELDENLIEDER. / 187

selbe Fabel, den Cyklus des Nibelungenlieds wiederfinden, soentsteht die Frage, wie nah sich die altdeutsche und nordischePoesie gestanden, ob sie von einander entlehnt, und was einerjeden eigenthümlich sei. Eine vollständige Beantwortung der-selben würde hier zu weit führen, weil wir alle nordischen Dich-tungen, die entweder diese Sage behandeln oder darauf hin-weisen , mit hinein ziehen müssten x ). Es entdeckt sich abereine mannigfache Gemeinschaft, ja nur ein und derselbe Stamm,dessen Zweige über beide Völker sich ausgebreitet haben. Esist der Stamm, an welchem sich die Poesie, wie Odysseus, ihrBett gebaut, aus welchem eine reiche Nachkommenschaft her-vorgegangen. Wenn also ein Abborgen von irgend einer Seitegeläugnet wird, so muss doch zugegeben werden, dass das nor-dische Nibelungenlied weniger ausgebildet und, wie oben vonaller nordischen Poesie behauptet worden, uranfänglicher er-scheine. Nach unsrer Ansicht haben solche einzelne Helden-lieder sich in den deutschen Nibelungen vereinigt und sind beiuns untergegangen; wenn aber die nordischen, gewiss nicht alle,sich hier erhalten, so sehen wir das Verlorene in einer ver-wandten Gestalt und finden es zum Theil wieder.

Hiermit ist auch die Frage nach der historischen Bedeutungdieser Lieder erledigt, indem wir sie jenem Cyklus vindicirthaben. Dass das Nibelungenlied auf Wahrheit und Gescheheneszurückführe und Poesie und Geschichte noch ungetrennt in ihmrede, wird nicht länger mehr geläugnet werden. Die moderne IGeschichte hat irgend einen Punkt gewählt, von welchem aus |sie die Welt betrachtet, und nun greift sie ängstlich in den Vor-rath gesammelter Facta und sucht heraus, was sich um diesebeschränkte Ansicht reihe, während in die Nationaldichtung derGeist des Lebens und der Völker übergegangen ist und darinwaltet. Er hat ein anderes strengeres Gericht gehalten: was in

l ) In dem vierten Band der Studien von Daub und Creuzer [oben S. 122150]sind die Stellen, -welche auf diese Frage antworten, aus den Quellen selbst ge-sammelt und die Resultate kurz angegeben. Es war darum zu thun, eine bestimmteAnsicht und den Punkt aufzustellen, auf den es ankommt. Die besondereFrage, wie diese Heldenlieder sich zur deutschen und nordischen Sage ver-halten, wird im Anhang ausführlich beantwortet. [Er fehlt hier, doch vgl. untenS. 200202.]