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1 (1881)
Seite
182
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182 NATURPOESIE.

Art. Ohne Einleitung und Erklärung hebt die Erzählung an,die den Ausgang öfters schon in der ersten Strophe voraus ver-kündigt x ) und alles einfach und in grossen Massen hinstellt:dann treten die Helden selbst auf, und ihre Reden sind wieSchwertschläge, von starken Armen gegeben, treffend und ent-scheidend. Die Poesie ist sich ihrer Tiefe noch gar nicht be-wusst, sie weiss nicht warum diese Thaten geschehen, aber sieweiss wie sie geschehen; darum hat sie nichts zu erläutern, dieMotive sind nicht breit dargelegt, aber die leise Hindeutungdarauf trifft desto stärker. Erst als Hogen über die verräthe-risch gestreuten Erbsen hinfällt, gedenkt Grimild des vorher ge-schlossenen Vertrags, dass er nicht wieder aufstehen dürfe, wenner einmal gestürzt sei. Alles in der Mitte Liegende, Verbindendeist ausgelassen, die Thaten stehen streng neben einander, wieBerge, deren Gipfel bloss beleuchtet sind: und betrachtet mandiese Härte bei dieser Erhabenheit und das Vordringende, Dra-matische in diesen Liedern, so ist dabei eine Erinnerung anden Geist der alten Tragödie nicht zu kühn. Orm lüstet es,hinauszugehn in den Berg, wo sein Vater liegt; nun wird gleicherzählt, wie er draussen am Grab steht und so stark daranschlägt, dass der Felsen zerspringt und der Todte aus seinemSchlaf erwacht, klagend, dass er nicht in Frieden unter derschwarzen Erde liegen könne. Aber der Sohn will sein Schwerthaben und droht, das Grab sonst in fünftausend Stück zu zer-schlagen: da wirft es der Todte heraus, dass die Spitze in derErde stecken bleibt. Es ist noch die ganze Grösse und Wild-heit der altnordischen Sagen in diesem Lied. Diese Macht derersten Dichtung, die wie ein Bergstrom Felsenstücke herunterwirft und alles mit sich fortreisst, kann doch nimmermehr durchdie spätere Anmuth und äusserliche Vollendung ersetzt werden.Freilich diejenigen, welche sich auch in der Poesie eine be-stimmte Art herausgesucht und nur auf einen Ton aus ihremvollstimmigen Weltconcert hören wollen, werden wenig Gefallen

') So heisst es in dem ersten Lied: Das war der Held Hogen, der verlorseinen jungen Leib; gleicherweise von der Chriernhilde im Nibelungenlied, wiesie zuerst genannt wird: um sie verloren viele Helden ihr Leben.