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1 (1881)
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ALTDÄNISCHE HELDENLIEDER. 181

auch werden handschriftliche Liederbücher (§. 17.) und dasManuscript von dem Riesen Langbein (§. 6.) erwähnt.

Was die Heldenlieder betrifft, so tragen wir kein Be-denken, sie für uralt auszugeben und ihre Entstehung weitzurück in die heidnische Zeit, in das fünfte und sechste Jahr-hundert zu schieben. Es lebt der Geist jener furchtbaren altenZeit in ihnen und das Geschlecht der Riesen, welche an demEingange jeder Geschichte stehen. Alles Mass, wie in derGesinnung und That, so auch in dem Äussern, in den Gestalten,Waffen ist ungeheuer: jeder Kämpfer hat fünfzehn Ellen unterdem Knie, Sivard reisst die Eiche aus, steckt sie an seine Gurtund tanzt damit; ja, die rechte Heldenbraut trinkt das Bier ausTonnen und verzehrt ganze Ochsen. Was aber zunächst daraufführt: es werden Helden darin genannt, welche dazumal lebten,und Thaten beschrieben, welche dazumal geschahen, und welchenicht Jahrhunderte später besungen wurden, nach einer Erzäh-lung, die niemand geben konnte, weil sonst nichts als die Volks-dichtung die frühe Geschichte aufbewahrt, und weil diese Dingenicht können erfunden werden oder nur nach etwas Ähnlichem,und jede Erfindung demnach immer wieder etwas Früheres, einOriginal, voraussetzt; sondern wozu die frische Gegenwart be-geisterte. Nur verstehe man dieses nicht unrecht: die Lieder,welche wir haben, sind dieselben, welche damals gesungenworden dem Inhalt nach, nicht aber der Form; das Gesetz derstätigen Umwandlung und Anpassung an Zeit und Sprache wirdsich auch an ihnen ausgeübt haben 1 ). Gleichwohl ist diese sicht-bar einfacher und darum alterthümlicher, als in den andern; derRhythmus freier und ungebundener und der Reim unvollkom-mener. Von der Poesie dieser Lieder kann man sagen, dasssie roh sei, ohne Schimmer und einfarbig, aber von gewaltiger

*) Ein seltsamer Irrthum ist aus dieser Nichtachtung der Natur der Volks-dichtung entstanden, wenn in Adelungs Mithridates (II, 298) die Kämpe-Viserein Monument der dänischen Sprache aus dem 9. Jahrhundert genanntwerden. So weit mag man es gewagt nahen, den Ursprung der Heldenliederzurückzusetzen, und nun hat man darnach die Sprache derselben auch in dieseZeit gesetzt, da sie doch, einzelne Wörter ausgenommen, durchaus in das16. Jahrhundert gehört, wo die Sammlung entstanden. Eine analoge Behaup-tung wäre die, dass das Heldenbueh Ottfrieds Sprache hätte.