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1 (1881)
Seite
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180 NATURPOESIE.

poetische Momente aufgefasst wären, sondern was sie eben ge-than oder gegen wen sie Krieg geführt, wird darin erzählt. Siesind alle später entstanden, und auch wir besitzen solche histo-rische Lieder in Chroniken, denen sie etwa an poetischem Werthgleich kommen, und nicht einmal immer. Schwerlich wird einVorwurf daraus entstehen, dass sie in der Übersetzung über-gangen sind, wie noch einige andere, welche sich durch nichtsauszeichneten und nur eine Variation auf ein schon dagewesenesThema enthielten. Wer die Natur der Volkslieder kennen ge-lernt, der wird auch die Erfahrung gemacht haben, wie häufigdieselbe Idee nur wenig verändert wiederkehrt, und wie man-nigfach die verschiedenen Recensionen von einem Lied sind,so dass doch an eine absolute Vollständigkeit nicht kann ge-dacht werden. Die zweihundert Lieder sind in der Sammlungin vier ungleiche Theile getheilt, wozu sich kein rechter Grundzeigt: manchmal erscheint die Absicht, sie nach dem Alter odernach dem Rang zu ordnen; allein, da dies offenbar nicht durch-geführt, so sind die Eintheilungen in der Übersetzung nicht bei-behalten worden. Wir sind zwar der Meinung, dass jede Zeitsich eigenthümlich verkündigt hat, weil der Geist nie still steht,sondern immer fortwächst, und dadurch sich von der anderngetrennt, aber eine solche historische Scheidung ist an der Volks-dichtung, die bei ihrem Alter immer auch neu und jugendlichbleibt, kaum möglich, und wir glaubten nur den allgemeinenGegensatz, der so deutlich erscheint, zwischen der Zeit der heid-nischen Helden und Riesen und der spätem, wo eine gemil-derte menschlichere Tapferkeit regierte, voll Liebesabenteuer,wo überhaupt das Leben reicher und anmuthiger war, aus-drücken zu müssen; und so ist die Eintheilung in Heldenliederund Balladen und Märchen entstanden. Hierzu kommt noch einanderer Grund. Diese Heldenlieder waren zu der Zeit, wo dieSammlung begann, schon verschollen und nicht mehr in demMund des Volks. Anders Söfrensön Wedel hat sie aus Hand-schriften genommen: es geht dies schon aus der Dedication her-vor, ausserdem sagt Syv (Vorrede §. 18.) ausdrücklich: dasHundert, das er gesammelt, habe er von Lebenden gesammelt,das andere sei ein handschriftliches Buch, dieses lebendiger Laut;