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1 (1881)
Seite
167
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ENTSTEHUNG DER ALTDEUTSCHEN POESIE. 167

als er stand einsam bei dem Feuer, da geschah es, dass ein Knabekam, der schön war, und auf ihn zu lief. Er fragt ihn, was für einKnabe er sei, aber der Knabe konnte nicht sprechen; da zog ihnMimer zu sich und setzte ihn auf seine Kniee und legte Kleider aufihn, denn er hatte keine Kleider an, da kam eine Hindin hergerenntund gieng zu Mimers Knieen und leckte an dem Antlitz und Haupt desKindes, und aus diesem Anzeichen merkte Mimer, dass die Hindin dasKind aufgezogen hatte, und dafür wollte er die Hindin nicht erschlagenund nahm den Knaben und sorgte für ihn, und brachte ihn heim mitsich und beschloss, dass er ihn wolle zum Sohn annehmen, ihm einenNamen geben und Sigurd (al. Sigfrod) nennen. Nun wuchs der Knabeda auf, bis dass er neun Winter alt war, und er war so gross undstark, dass kein Mann ihm gleich war, er war so boshaft, däss er dieGesellen des Mimer schlug und misshandelte, so dass er seiner Gegen-wart überdrüssig war.

HUNDERT UND FÜNF UND VIERZIGSTES CAPITEL.

VON SIGURD UND ECKIHARD.

Ein Gesell hiess Eckihard, der war der allerstärkste unter denzwölf Gesellen. Da geschah es eines Tags, dass Sigurd kam zu derSchmiede, darin Eckihard schmiedete. Nun schlug Eckihard dem Sig-frod mit seiner Zange an die Ohren, da zog ihn Sigfrod mit seinerlinken Hand an seinem Haar so stark, dass er gleich zur Erde fiel,und nun liefen alle Schmiedegesellen hin und wollten helfen demEckihard. Aber Sigfrod schleppte ihn eiligst an die Thür und trugEckihard nach sich an den Haaren, bis dass er kam zum Mimer, dasprach Mimer zum Sigurd: übel thust du, dass du willst schlagenmeine Gesellen, die allzeit nützliche Arbeit thun, und du thust nichts,denn das übel ist, und nun bist du stark geworden und musst nichtweniger arbeiten als diese, und nun soll es dazu kommen, dass dusollst willig sein, und so du nicht willst, so werde ich dich schlagen,bis dass du aufgelegt wirst, die Arbeit zu thun, und nahm ihn an derHand und führte ihn zur Schmiede. Nun setzte sich Mimer vor dieEsse und nahm ein grosses Eisen und legte es ins Feuer, und Sigurderhielt den schwersten Schlaghammer. Und als das Eisen war glühendgeworden, zog er es aus der Esse und legte es auf den Amboss undbat Sigurd, es zu schlagen. Sigurd schlug auf den ersten Schlag sostark, dass der Amboss von einander sprang und in Stücken niederfiel, und das Eisen zerriss, und die Zange brach entzwei, und derHammer flog aus dem Stiel und sank weit hernieder. Da sprach