164 NATURPOESIE.
Da warfen sie ihren Anker wohl in den weissen Sand,das war der Held Hagen, der trat zuerst ans Land.
Die andern harrten nicht länger mehr, ein jeder so er konnte aufs bestrüsteten sich männlich, Folquard Spielemann am meist.
Der Vogt, der stand da haussen, gieng hin auf der Zinne, gieng her:„zu unserm Land sind kommen zwei so stolze Edelherrn."
„Zu unserm Land sind kommen Kämpfer und so muthige Mann;sie sind gekleidet in Eisen, ihre Rosse kommen springend heran."
„Der eine führet einen Habicht, schimmert golden in seinem Schild,der ander führt eine Fiedel, ein Herzogensohn so kühn."
Auf da stand Frau Chriemild, sie fügt ihre Worte viel gut:er führet keine Fiedel, noch Dienst vor Herrntisch er thut.
Das sind zwei frische Helden, edle Herzogskinder frei,
sie sind mir auch nicht unbekannt, wir sind Geschwister drei.
Das war der Graf Herr Guncelin, zu seinen Mannen er sprach:„wir halten noch ein Rennen, Held Hagen kommt am Tag."
„Wir wollen fechten mit ihm noch heut und schlagen sie allsammt
zu todt,so gewinnen wir seinen grünen Wald, darzu sein Gold so roth."
Frau Grimild zu ihrem Bruder gieng, gross Falschheit war dabei:ihr seid mir alle willkommen, Held Hagen nicht allein.
Da sprach der Held Hagen drinnen bei der Thür:drum will ich euch bekämpfen, so ihr getrauet hier.
Es giengen aus die Gesellen, wie sehre sie da Sprüngen;sie litten alle grosse Pein, die alten wie die jungen.
Entzwei gieng das gute Schwert in Folcmard Spielemanns Hand,
da schaut er über sich an die Thür und fasst eine grosse Stahlstang.
Er schlug auf den ersten Schlag wohl sieben so rasche Hofmann:in der Königin eigenem Namen, sagt er, nun wird meine Fiedel
bekannt.