ENTSTEHUNG DER ALTDEUTSCHEN POESIE. 137
von einem andern Punkt angefangen und beendigt und ebendarum sehr merkwürdig. Was hier ausgelassen, wird durchanderes, dort fehlendes ersetzt, dahin die Erwähnung des Kriegszwischen den Giukungen und Sigurd Hringur (Cap. 6.), welcherdem Kampf Siegfrieds mit den Sachsen (Nibel.-L. 4. Abent.)entspricht.
Dieses sind die Sagen, welche den Heldenkreis ausführlichbehandeln, aber auch durch andere zieht die Erinnerung daranin mannigfachen Anklängen. So in Alf Kämpars Saga heisstes S. 35:
Einen weiss ich
Glcichschnollon Held
Sigurd den König
Zum Schlosse Giukas.
Dann in der Halfdan Oescenssons Saga wird (Cap. 1.)Sigurds Abstammung erzählt; und in den Kenningar (Cap.Wpprune nockra konga heita.) sind auch die Niflungar genannt.
Wir übergehen es, die Verschiedenheit der nordischen Re-cension darzustellen bis ins Detail. Wie bei uns, so wurzeltauch hier die Dichtung in vaterländischem Boden, und alles isteigenthümlich entfaltet und dunkelfarbiger, wie der Himmel,unter dem es gestanden, ßrynhilde, deren Charakter in demdeutschen Gedicht nur einen leisen Anhauch von Zauberei hat,tritt bestimmt hervor als ein übermenschliches Wesen, als Wal-kyria. Sie lehrt Sigurd in einem geheimnisreichen Gesang dieRunen. Zu diesem steht ihr Verhältnis hier ganz anders. Siehatten früher in Verbindung gelebt, und Aslauga ist die Fruchtihrer heimlichen Liebe; nachdem sie erfahren, dass er sie be-trogen, rächt sie sich erst 'durch seinen Tod, dann mag sie auchnicht länger mehr leben 1 ). Überhaupt, die Gesinnung ist wilder,heftiger geworden, die Grausamkeit entsetzlicher und umwindetwie eine Schlange ihr Opfer, die in die Wunden ihr Hauptsenkt und sich fest frisst an dem Herzen, dass keine Machtder Töne sie mehr rühren kann. Schön ist es in dem deutschenNibelungenlied und gewährt die Beruhigung eines vollendeten
') Sie erzählt ihr Leben in dem schönen Gesang von ihrem Tode, welcheraus Norna Gesters Sage übersetzt ist: Beilage H.