136 NATURPOESIE.
Gunnar und Hangno,Giukäs Erben!So auch Gudrunaihre Schwester.Nicht war GuttormurGiukäs Geschlechtes;Aber doch war erbeider Bruder.
In der jungem Edda hat sich schon mehr erhalten. Inden letzten Capiteln derselben wird die Geschichte des Sigurdund der Gudruna (so heisst im Norden Chriemhilde, und diesenNamen führt Frau Uote, ihre Mutter), freilich nur kurz erzählt.(S. Beilage I.) Snorro nahm, als er die Edda sammelte, einigesaus diesem Cyklus auf und verband es mit der Götterlehre,wozu es eigentlich nicht gehörte, weshalb es auch hier erwähntwerden musste.
Ausführlicher, poetischer, aber übereinstimmend, so dass dieEdda nur als ein Auszug gelten kann, enthält eigends die Wol-sunga Saga das nordische Nibelungenlied (Cap. 22. ff.). Ein-geleitet ist es durch die Erzählungen von den Wolsungen, derenerstes Entstehen an die Götter geknüpft ist und welche dieAhnherrn Sigurds des Schlangentödters sind. Die reizende Dich-tung von der Auslauga, der Tochter Sigurdurs, die in einerHarfe fortgetragen wird, macht die Verbindung mit den andern,dem Norden allein zugehörigen Dichtungen aus, denn ihr ferneresLeben kommt in der Saga von Regner Lodbrock vor, der siebmit ihr vermählt.
Weiter gehört die Norna Gesters Saga hierher. Gestur,ein wunderbarer dreihundertjähriger Sänger, tritt vor den KönigNafur und singt die Thaten jener Zeiten, bei denen er selbstzugegen gewesen. Da ergreift er seine Harfe und schlägt dar-auf das Lied von Gunnar und hernach von den alten Künstender Gudruna, welches niemand vorher gehört hatte x ). Dann er-zählt er von Sigurd und Brynhilde. Es ist ein Theil der ganzenDichtung, und wiewol übereinkommend mit dem vorigen, doch
l ) Wolsunga Saga. p. 5. 6. tekur Gestur horpu sina — oc slaer tha Gun-nars slag best, oc at lycktum slaer hann Gudrunar brogd hinu fornu,thau hofthu menn ecki fyrr heyrt.