128 NATURPOESIE.
Jahrhundert an) dieser Religion erwähnen, sind gesammelt vonDelhis 1 ), wo die Odin, Thor, Balder, Freya ihre Tempel undBildnisse, welche verehrt wurden, angeführt werden und dieaus der Edda bekannt sind; dann auch sind alle Sagen durch-drungen von dieser Mythologie und deuten beständig darauf hin.
Mit jener Behauptung, die Edda sei zum Spass gedichtet,verhält es sich also: in dem MS. der upsalischen Edda- sagt derVf.: „für junge Leute, die Lust haben, die Dichtersprache zuerlernen, — ist dieses Buch zum Vergnügen (til skemtunnar)geschrieben, niemand nehme aus der Dichtkunst diese Namenheraus, welche die Hauptskalden sich haben gefallenlassen, aber kein Christ glaube und betheure auch, dassdiese Dinge sich ereignet haben." Indem nun Adelung dieseWorte, welche auf die vorhergegangenen Skalden sich beziehenddeutlich eine frühere Existenz beweisen, unredlich auslässt, möchteer die Übersetzung „zum Spass" verstandeil wissen, als sei hiervon einer Betrügerei die Rede.
Übrigens ergiebt sich aus der ganzen Stelle die richtigeAnsicht von der Entstehung der jüngeren Edda. Ein Christsammelte die Sagen über die mythologische Vorzeit, als solchermusste er sie nicht für Wahrheit, sondern für blosse Unterhal-tung ausgeben. Snorro nahm sie auf, wie er sie fand im drei-zehnten Jahrhundert. Wir haben demnach die nordische Mytho-logie in der Ausbildung und Modification, welche sie durchlange Zeiten erhalten; und diejenigen haben ganz Recht, welchebehaupten, dass wir nicht mehr die ursprüngliche besitzen, dennsie hat ein gleiches Schicksal mit allen Volksgedichten gehabt,ein beständiges Umwandeln und Accommodiren an die Zeit. Aberdadurch verliert sie nichts an ihrer absoluten Wahrheit, denn
0 Glauben der Völker im scandischen Norden. In den Nachträgen zuSulzer. B. 7. I.
Man sieht, wohin eine einseitige Ansieht führt: Der Vf. möchte auch hiergern alles ableugnen, aber er Jiat nicht so leichtes Spiel als bei den deutschenGöttern, deren lächerliche Erfindung leicht auffällt, jedoch nur nothgedrungen,giebt er die Existenz des Gott Thor zu. Was die Edda betrifft, so muss erzwar eingestehen, dass diese Einsicht in die Werkstatt der Natur sich nichtim Besitz eines unwissenden Isländers befinden konnte, indessen weil man dasFalsche nicht davon trennen könne, sei es besser, ganz darauf Verzicht zu thun.