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1 (1881)
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ENTSTEHUNG DER ALTDEUTSCHEN POESIE. 127

weise sehen, dass sie nicht zu uns dringt, um eine solche My-thologie, die sich nur von selbst aus der Natur eines ganzenVolks erzeugt, für Lüge und reine Erfindung müssiger Phantasiezu betrachten. Sie haben den einfachen Satz nicht erkannt,dass keine Einbildungskraft im Stande ist, eine neue Mythologiezu erfinden, so wenig als eine neue Sprache.

Diese Ansicht hat Adelung mit einer andern von gleichemWerth verbunden. 1 ) Er meint, die Edda sei eine Nachahmungder christlichen Religion, mit einiger Ausschmückung aus dergriechischen überhaupt aufs Gerathewohl überall hergenommen,und blos zum Spass gedichtet. Eine solche Meinung verdientekeiner Erwähnung, wenn sie nicht von vielen anerkannt wäre.Also was noch keinem gelungen auf der höchsten Stufe derBildung und Speculation, und was Dichter nur in einzelnen Bil-dern versuchen, das hat ein ungebildeter Mensch schon im drei-zehnten Jahrhundert vollendet, er hat die Idee einer Religionerkannt und nun symbolisirt durch eine neuerfundene Welt?Was die Ähnlichkeit mit der christ-katholischen Religion desdreizehnten Jahrhunderts betrifft, so sieht man gleich, wie ge-zwungen sie herbeigeführt ist, würde, um nur eins zu bemerken,die Jungfrau Maria, das Kreuz, die Dreieinigkeit, fehlen können?Was er anführt, als gemeinschaftlich, und was sich auf denersten Blick zeigt, in allen orientalischen Mythologien, die Lehrevom Allvater, der Krieg zwischen dem Guten und Bösen usw.,das möchte auf einen weiter hinausgehenden Zusammenhang dernordischen mit der christlichen hindeuten. Adelungs Sachewar es nicht, die innere Verbindung und Wahrheit der Eddazu erkennen, da ihm überhaupt für Poesie kein Sinn gegebenwar, und nur er konnte es übersehen, dass sie sich auf jenesgrosse Ereignis, von dem selbst die kritische Geschichte weiss,bezieht, auf die Wanderung der Völker aus Asien, dass dieGötter selbst Asiaten sind und ihre herrliche Wohnung in demasiatischen Reich (Asgard 2 ) haben. Auch fehlen äussere Be-weise nicht. Die Stellen, in denen Schriftsteller (vom sechsten

') Kaum hat er etwas Schlechteres geschrieben als seine Abhandlung übernordische Litteratur, Geschichte und Mythologie in Beckers Erholungen 1797. II.2 ) S. Sehlözer nord. Geschichte S. 503.