126 NATURPOESIE.
Sache liegt, in der moderuisirten, in Prosa aufgelösten jüngerenEdda nicht mehr, was ursprünglich so war. Sodann ist esnatürlich, dass in dem Fortgang der Zeit die Idee und Bedeu-tung unbeachtet blieb, und man bei blosser Ausbildung desFormellen zu schönen Mythen verweilte, dahin z. ß. Thryms-Quida, Förskirnis, Lieder in Haavamal. Endlich erscheint auch(in der spätem dramatischen Form) der freche Scherz, in wel-chem die Götter lächerlich mit allen menschlichen Schwach-heiten auftreten müssen, wie in Harbard und Äo;ers Gastmahl.Nur ist nicht nöthig, diesen Dichtungen mit Gräter eine Auf-klärungstendenz beizulegen, da ein freies Gemüth den ungebun-densten Scherz mit der aufrichtigsten Frömmigkeit vereinigenkann, wie die Narren- und Eselsfeste im Mittelalter hinlänglichbeweisen.
Dies ist die einfache Ansicht, die sich jedem Unbefangenenergeben muss, aber schwerlich ist an ein Buch so viel Glaubenund Unglauben zugleich gehegt worden, als an die Edda. J ) Manhat die Untersuchung beständig dadurch verwirrt, dass man ihreGlaubwürdigkeit hat abhängen lassen von ihrem äusserlichenEntstehen als geschriebene Bücher. Weil sie von den frühestenZeiten redet und doch erst spät im dreizehnten Jahrhundertaufgezeichnet wurde, so konnte sie unmöglich Wahrheit ent-halten, und weil es nicht ausgemacht ist, dass Sämund Frodedie alte Edda gesammelt, so müssen die Lieder derselben er-dichtet sein. Es hat allerdings Grund, dass die jüngere eineEinleitung zu isländischer Dichtkunst und mit dieser Hinsichtgeordnet ist, aber für ihren innern Gehalt ist der Zweck desSammeins ganz gleichgültig.
Es gehört ein Festsein in jener Manier dazu, welche gernalles ableugnen und uns blos beschränken möchte mit der ge-schichtlichen Wahrheit auf unsere Zeiten, wo wir es ohne Be-
') Nachdem es Schimmelmann mit jenem durch seinen Commentar oftins Lächerliche getrieben, gingen andere, wie Anton (deutsch. Museum 17791, 27), Adelung u. a. in diesem so weit, dass sie es für das Geschwätz einesisländischen Neulings ausgaben. Gräter hat sich der nordischen Mythologiemit Eifer und Einsicht angenommen, und begünstigte nur zu viel ihre Anwen-dung auf Deutschland. Tn F. Majers mytholog. Lexikon ist sie als begründeteingeführt, und geht von da nun weiter aus.