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überhaupt bei keiner Religion sich ganz verliert, weil er so sehrdem menschlichen Gemüthe zusagt. — Dass übrigens in denProvinzen, welche mit den Römern in Verbindung waren, derCultus der griechischen Götter aufkam, wenn auch nur beiEinzelnen oder einem Theil des Volks, bedarf keiner besonderenErwähnung.
So verhielt sich die nordische Religion zu der germani-schen, nun fragt sich: wie hängt die Poesie beider Völker zu-sammen?
Poesie und Religion ist ursprünglich verbunden, denn allesv trennt erst später der Mensch. Und so gieng mit der Religionauch die alte Sage, die von der Vorzeit und asiatischer Herr-lichkeit erzählte, für die Germanen verloren. Denn Tradition!Sänger, welche sie erhalten, gedeihen nur im geselligen Leben,nicht in der Abgesondertheit eines Herumstreifenden, das keinebleibende Stätte hat, und nichts, woran die Erinnerung an dieVergangenheit sich anknüpfe.
In Jahrhunderten war die Bevölkerung Germaniens be-trächtlich angewachsen, und als das mächtige Treiben derVölkerwanderungen die Nationen unter einander warf, da kamenauch die Bewohner des Nordens aufs neue mit Deutschland inBerührung, mit dem es überhaupt durch die Cimbern, Jutenund Sachsen in Verbindung gestanden. Die gothischen Völker-schaften, im Ganzen eine Nation, herrschten im Norden wie imSüden, bis nach Asien, 1 ) und zogen durch ganz Germanien hin.Wie jene Zeit sich in der Nationalpoesie der Deutschen erhielt,so mussten auch die grossen Thaten derselben in die Poesiedes Nordens, der nicht weniger Theil daran hatte, eingewebtwerden, sich zu erfreuen an diesem, durch eigne Tapferkeit er-worbenem Gut. Es wurde aufgestellt zu den alten Sagen undder Mythologie, diesen Heiligthümern eines Volks, denen esalles weiht, was gewonnen ist, zu unvergänglichem Gedächtnis.
Ein solches ist, im Ganzen betrachtet, das Verhältnis dernordischen Poesie zu der deutschen. Scandinavien hat nichtnur eine ihm allein eigenthümliche, sondern auch eine mit Ger-
') Russland heisst noch jetzt in Litthauen Gothien.