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1 (1881)
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122 NATURPOESIE.

Es sollte hier angedeutet werden, welchen Gang die deut-sche Poesie genommen, wie sie sich aus der Geschichte unddem Leben entwickelt und darin gestanden, nicht als eineEinzelheit, sondern im Zusammenhang; und das Verhältnisangegeben, in welchem alles andere nicht zu ihr Gehörige zubetrachten ist. Dieser Standpunkt einer trennenden Ansichtist nöthig, um die andere Frage: wie die nordische Poesie mitder deutschen verbunden sei, beantworten zu können. DieseFrage scheint um so weniger überflüssig, als man jene entwederzu wichtig als die Mutter der letztern betrachtet oder in demandern Extrem gänzlich hintangesetzt. Es wird nöthig sein, auchhier in die frühsten Zeiten zurückzugehn.

Was schon dieselbe Grundsprache hinlänglich beweisenmusste, das finden wir auch von der Geschichte bestätigt:gleiche Abkunft der Bewohner des scandinavischen Norden mitden Germanen.

Aus Asien herkommend, durch Russland und Preussen, anden Ufern des baltischen Meeres hin, dann durch Jütland undSeeland zogen die Völker zu dem Norden, in das Land, woZwerge ungeheure Schätze in den Gebirgen hüten und Drachenschützend auf dem Golde liegen. Wenn man bedenkt, dassdieser Glaube an den Reichthum des Nordens, tief eingewurzeltin die Mythologie und mannigfach gestaltet, wieder vorkommt,so ist es nicht unwahrscheinlich, was Schlegel angiebt 1 ), dass dieSage der Indier von dem wunderbaren Berg Meru, in welchemder Gott des Reichthums wohnt, den Zug nach Scandinaviengelenkt habe.

Damit stimmt Geschichte überein, dass dort zuerst dieVölker sich versammelt. Jordanes sagt ausdrücklich 2 ), dass ausdieser Werkstatt, dem Geburtsort der Nationen, auch dieGothen einst hervorgegangen sein sollten, und was weiss mananders dagegen einzuwenden, als dass es von diesem herrühre,der keinen Glauben verdiene, weil seine Geschichte, aus alten

*) Über die Sprache und Weisheit der Indier S. 194.a ) De rob. get. cap. 4 ex hao igitur Seanzia insula quasi officina gen-tium aut reete velut vagina nationum Gothi quodam memorantur egressi.