Druckschrift 
1 (1881)
Seite
119
Einzelbild herunterladen
 

ENTSTEHUNG DER ALTDEUTSCHEN POESIE. 119

am meisten bekannt gewesen zu sein scheint (und darum er-halten wurde; so ist es tröstlich zu sehen, wie die Zeit immerdas Grösste doch dem Untergang entreisst, eben weil sie dasbeste Urtheil hat, z. B. auch den Homer). Andere Stellensind wichtig, indem dadurch die einzelnen Gedichte nachge-wiesen werden können, die damals existirten, dies gehört aberfür das Detail, der hier nöthige Beweis ist hinlänglich mit diesengeführt; einige werden noch unten vorkommen, und die obenbei der Geschichte des Ermanarikus citirten können ebenfallshierher gezogen v/erden.

Nichts konnte an Inhalt und Geist der Darstellung mehrvon einander abweichen, als diese romantische und National-poesie. Diese war ein grosses allesumfassendes Bild der deut-schen Vorzeit, von den grössten Heldenthaten und Kriegen biszum häuslichen Leben herab. Wie wir die Kämpfe der Männer,den Untergang ganzer Nationen ansehen, so werden wir auchin die Wohnungen der Frauen geführt und hören, wie sie ein-sam vertraulich ihre Träume erzählen und deuten, und wie dieMutter ihre züchtige Tochter warnt, nicht zu sehr der Liebesich zu verreden. Ja, auch das bleibt unverschwiegen, dassder Koch den Herren anräth, sicherer daheim zu bleiben beivoller Tafel, als den gefahrvollen Zug zu unternehmen. Dennnichts verschmäht das Epos, was im Kreis des Lebens und in

Dieses bezieht sieh auf V. 5594 5613 [1405, 1 1409, 4] des Nib. L.Derselbe im Tyturell fol. 86. col. 2. ein Kampfplatz:

so das die ammelunge

all mit den hünen kernent do czu streite.

Ulrich von Turlin im Wilhelm v. Oranso S. 50. col. 2:

hi wil minne zwei horce ladenzu der crimhelde hochcitvil volkis da van tot geleitniman daz invenden kan.

Aus dem 14. Jahrhundort wahrscheinlich ist ein Lied, worin ChriemhildensSchicksal angedeutet wird, das sich im "Vatican befindet. S. Adelungs Nach-richten von den "Vatie. Mspt. IL, 230 usw.