ENTSTEHUNG DER ALTDEUTSCHEN POESIE. 99
Attilas Tod alle ihm unterthänige Völker, erschrocken, nichtsrewusst. ob sie sich freuen oder beklagen sollen. Unter AttilasSöhnen, wovon einer Chaba geheissen, von der Tochter desgriechischen Kaisers Honorius geboren, der andere Aladaricus 1 ),dessen Mutter die oft genannte Frau Chriemhild, aus einemberühmten Geschlecht deutscher Herzöge gewesen, sei Uneinig-keit entstanden. Viele deutsche Fürsten in Attilas Dienstbar-keitj, unter denen Dieterich von Bern, einer der ausgezeichnet-sten (excellentiam habuit non ultimam 2 ), hätten, nicht treuge-sinnt, sich auf die Seite des Aladaricus ihres Landsmannesgewendet, auf alle Art sich bemühend, die Hunnen zu trennenund innerliche Zwietracht zu erregen; das sei auch gelungen,und durch Dieterichs Anstiften unter beiden Brüdern, die dieRegierung gehabt, heftiger Zwiespalt erregt worden. Da habeein ungeheurer furchtbarer Kampf begonnen, in welchem dieHunnen, erfreut über den Untergang fremder Nationen, erstalle Deutsche und Ausländer, endlich sich selbst gegenseitigaufgerieben. In alten Chroniken sei aufgezeichnet 3 ), wie dieserBruderkrieg, dieses Würgen unter einander, fünfzehn Tage langgedauert und die Donau, die bei Ofen vorbeifliesse, von demBlute deutscher und anderer Völker bis Pantela hin für Men-schen und Thiere untrinkbar gewesen. Chaba habe immer dieOberhand behalten, bis auch er zuletzt durch Dieterichs Listüberwunden, mit seinen sechszig Jüngern Brüdern und funfzehn-tausend übriggebliebenen Hunnen nach Griechenland zum Ho-norius geflüchtet.
') Alter vero Aladaricus de illustri prosapia Germaniae ducum orta, dominaCrimiheldina (al. Crumheldina Kremheiich) vocitata. cap. 23.
-) Er heisst Vogt über ganz Deutschland. Thwrotz c. II Detricus deVerona — omni Germaniae praesidebat und c. 13 wird erzählt, dass, als einPfeil ihn umsonst an der Stirn verwundet, er sich deshalb unsterblich genannt— immortalitatis nomen usurpasse.
3 ) Scribitur etiam in antiquis Hungarorum chronicis, cpiod hoc fraternumcertamen, haec intestina tanti populi clades, vix diem per quindecim consumatafuisset — ut Danubius seeus Sicambriam defluens, ea Germanica ceterarumquenationum caede, in ipsum decurrenti sangnino, in tantum permixtus fuisset,quod neque homines noque animalia a Sicambria deincops usque ad Colen-tianam aquam illius puram sine sanguine potare valuissent.
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