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1 (1881)
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98 NATURPOESIE.

es ist nicht der ernsthafte Zwerg des Nibelungenlieds, sondernein neckender Kobold, wie er in deutschen und französischenSagen vorkommt. Mit letztern scheinen diese constantinopoli-tanischen Sagen wieder einigen Zusammenhang zu haben, wor-über eine weitere Bekanntschaft damit Auskunft geben wird.

So nämlich urtheilen wir über deutsche Nationalpoesienach der Gestalt, in welcher sie auf uns gekommen: in denBearbeitungen des zwölften und dreizehnten Jahrhunderts. Da-mals nämlich war die Schrift schon allgemeiner worden, unddie Sänger fiengen an, die Gedichte, deren Umfang sich immermehr erweiterte, aufzuzeichnen, und wie sie jetzt lebten undausgesprochen wurden, nach den Veränderungen vieler Jahr-hunderte hindurch, so wurden uns diese Gesänge ältester Zeiterhalten. Dies ist unsere Ansicht von der Entstehung desNibelungenlieds (wir nennen bloss das Vorzüglichste undbezeichnen damit den ganzen Cyklus) und wir wollen hier sokurz als möglich die Resultate anführen, die sich daraus ergeben.

I) Das Nibelungenlied beruht auf Wahrheit und es liegtdurchaus Geschehenes zum Grund. Streng genommen kann['überhaupt nichts rein erfunden werden in der Poesie, als Ab-druck des Angeschauten, und jede Nachahmung selbst durchviele Gründe hindurch weist immer zurück auf das Ursprüng-liche und bleibt in so fern wahr. Attila, Dietrich von Bern,Günther, Hagen, Siegfried haben gelebt, die grossen Thaten,von denen diese Lieder singen, sind geschehen, und Chriem-hildens entsetzliches Schicksal hat jene Helden in das Verder-ben gezogen. Es fehlt auch nicht an äusserlichen Beweisen,die lateinischen Geschichtschreiber nennen diese Männer underzählen von Gonthakars Tod durch Attila. Am klarsten redeteine Stelle in der Chronik des Joh. de Thwrotz 1 ), die wir vorallen anderen anführen wollen, sonstige Anspielungen und Hin-deutungen, die bei den Geschichtschreibern gefunden werden,für das Detail aufbewahrend. Sie erzählt (Cap. 23), wie nach

') Er schrieb im 16. Jahrhundert, aber sein Werk ist treue Abschrift undZusammenstellung alter Chroniken. Es ist am besten abgedruckt in Sehwandt-neri Script, rer. Hungaricar. Vindeb. 174648. im 1. Tom.