HAGENS NIBELUNGEN. 89
auch nur damit verglichen werden, und es ist nicht zu ver-theidigen, dass es der Verf. doch damit gewissermassen ver-bunden. Was er zur Entschuldigung anführt, will wenig sagen:es finde sich in jedem Manuscript des Nibelungenlieds — heisstdas in mehr als zweien? und dann rührt dieses bloss von denAbschreibern her, da in den Gedichten keine Vereinigung ist;hernach: er sei gesonnen, ein ganzes Heldenbuch herauszugeben,wozu das gehöre — wir glauben nicht, da es in dieser Gestaltweiter keinen poetischen Werth hat.
Bei der Modernisirung der Klage hat der Verf. dieselbenGrundsätze, wie beim Nibelungenlied, befolgt, sie kann da-her, wenn man will, eben so beurtheilt werden, nur der Ab-schnitt über Rhythmus leidet keine Anwendung, da hier ebenkeiner zu zerstören war.
Darauf folgt ein Anhang. Dieser enthält eine kurze An-deutung zur Geschichte der Poesie des Mittelalters, worin nichtsNeues; die Ansicht des Verf. über die Behandlung der alt-deutschen Gedichte, eine Geschichte der Bearbeitungen desNibelungenlieds, Grundsätze über die Behandlung der Sprachedesselben: sehr fleissig; über ihren Werth wird derjenige ur-theilen, der eine Grammatik der altdeutschen Sprache unter-nimmt, vielleicht entschliesst sich der Verf. zu dieser verdienst-lichen Arbeit, wozu er die Neigung in eben diesen Bemerkungenzeigt; endlich über die Behandlung des Formellen. — EineMenge Noten enthalten: Literatur der altfranzösischen, spani-schen, englischen und deutschen Poesie (1 —12), dann meistder modernen Bearbeitungen (12 — 22). Sämmtlich bekannteDinge, bloss die Erfurter Märchensammlung war uns neu. Inden folgenden (22 — 67) eine Bemerkung über Schlegels Alarkos,über Bodmer, Hinweisnngen auf eine noch herauszugebendehistorische Einleitung zu dem Nibelungenlied, über Tie[c]ks zu-künftige Bearbeitung ff'., 67 über hochdeutsche Sprache undDialekte, 101 eine Abhandlung über Beugung der Bei- undFürwörter in der deutschen Sprache.
Endlich ein Glossar, geht von S. 529 — 595. Für dieÜbersetzung selbst bestimmt, ist die Existenz desselben schonein scharfes Urtheil, für den Grammatiker, dem es der An-