HAGENS NIBELUNGEN. 85
und schönem bedeutendem Wechsel des Rhythmus, und wieso falsch als nachtheilig die Idee, eine grössere Regelmässig-keit unterzulegen.
Treue der Übersetzung. Wir reden davon zuletzt,weil wir eigentlich nicht im Stande sind, vollständig darüberurtheilen zu können, denn die Münchner Handschrift stehtuns nicht, wie dem Verf. zu Gebot. Die meisten Abänderungenhat nach seinem eignen Geständnis der Reim verursacht, somusste deshalb iehen auf verschiedene Art übersetzt werden,gemeit durch: viel bereit usw.; wir wollen darüber nichtbesonders rechten, da es nothwendige Folge der angenommenenIdee war, auch hat sich meist der Verf. auf eine leichte Artdurchgeholfen. Überhaupt zeigt er gründliche Kenntnis deraltdeutschen Sprache, und Untreue ist uns, so weit wir ur-theilen konnten, wenig vorgekommen; wie denn auch das Ni-belungenlied bei seiner klaren Einfachheit viel leichter zuverstehen ist, als manches andere altdeutsche Gedicht, z. B. derTyturell oder einige Minnelieder. Wenn erlich gewand V. 1086durch ehrlich Gewand, nicht wie sonst richtig durch herr-lich übersetzt ist, so scheint das ein blosses Versehen. Andie Richtigkeit der Übersetzung des V. 676 werden wir erstglauben, wenn wir sie von der Münchner HS. bestätigt wissen.V. 5137. [1290, 4 f.] da si den fursten edele mit küssen guot-lich enphie, uf ructes ir gebende etc. hier übersetzt der Verf.aufrückte sie ihr Gebäude; wir glauben, dass es auf das Küssenbezogen werden muss, das ihr die Bänder aufschob, und wür-den diese Erklärung vorziehn, selbst wenn der Münchner Co-dex jene begünstigte. Dieses müssen wir bemerken: es ist einefür die Kunstsprache etwa nöthige Regel, das Aufeinander-folgen gleicher Worte zu vermeiden, worauf die Volkspoesienicht achtet in ihrer Unschuld, und wo es sich bei ihr ereignet,da ist es immer passend. Daher sagt Lessing irgendwo, es seiein elender Grund gewesen von der Dacier, wenn sie jenerRegel wegen dasselbe Wort beim Homer durch zwei ver-schiedene übersetzt habe, und daher müssen wir es auch andem Verf. tadeln, dass er dieselbe gern anzuwenden sucht.In folgenden Beispielen ist es geschehen, entweder durch Aus-