HAGENS NIBELUNGEN. 77
qezam (wie V. 203) beibehalten des Reims wegen, an andernOrten aber in: geziemen und ziemt (wie V. 208. 505) abge-ändert; gescharrt (V. 4810), das eben so gut bleiben konnte, istin: Schande hau (V. 5071) verwandelt. Oft ist durch dasblosse Übertragen in die neue Form Härte, z. B.
4307. [10S0, 4]. so enkunden sis in selben noch ander niemen gegeben4568. so kunnten sie'n nicht ihn'n selben noch anders jemanden geben,
doch davon im folgenden Abschnitt ausführlicher; oft Steifheit:
i 15. [4, 4]. diu frouwe was ir swester, die fursten lietens in ir pflegen
— — — — die Fürsten hatten sie im Pflegen,
zuweilen Unverständlichkeit erzeugt worden, so wird den Vers:
628. dess bat er ihm die Mähre den König Günther gestebn.
niemand, ohne die alten Wendungen zu kennen, begreifen. Da-bei hat eine natürliche Täuschung gewaltet: jedem, der diealte Sprache kennt, mithin dem Verf. und wahrscheinlich denener das Werk vorgelesen hat, fällt das Sonderbare der altenFormen und Wendungen ungleich weniger auf, als dem siegänzlich fremd; einem solchen sind sie öfters unverständlich.Wollte daher der Verf. Nutzen ziehn aus dem Vorlesen, sonmssten seine Zuhörer nothwendig zu den letztern gehören.Wenn er übrigens selbst zu erkennen giebt, dass er geschwankthabe, inwiefern das Alte beizubehalten sei: „und so bedenklichich auch anfangs nach der andern Seite hin war, so fürchteich jetzt fast, doch eher noch zu viel als zu wenig gethan zuhaben" (S. 495); so glauben wir selbst, dass es unmöglich war,eine strenge Grenzlinie zu ziehen: es musste jene Inconsequenzdes Contrasts entstehn; aber das beweist nur die Unstatthaftig-keit der ganzen Idee. Einige alte Formen sind, wahrscheinlichaus einer gewissen Vorliebe, häufiger angebracht, als sie imOriginal gefunden werden. So wird zuweilen das Geschlechts-wort noch vor das Pronomen gesetzt und statt: mein Gold,seine Lust, das meine Gold, die seine Lust gesagt. Dieses istangewendet, so oft es nur angieng, selbst wo es gänzlich un-nöthiff war:
4766. [1195, 4]. ein teil begund ir senflen do ir grozer -ungemac/i.
— — — das ihr viel grosse Ungemach,