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1 (1881)
Seite
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HAGENS NIBELUNGEN. 69

Denken wir uns eine solche Modernisirung des Nibelungen-lieds, so leidet das Gesagte völlige Anwendung; hier hängtjeder Ausdruck so innig zusammen mit dem, was er bezeichnensoll, dass er nicht weggenommen werden darf, ohne zu zer-reissen, und das gilt von jeder Zusammenfügung, Folge, jaStellung der Worte in demselben. Was aber die romantische,gereimte Poesie betrifft, so kann es nicht eben darauf bezogenwerden. Diesen Gedichten fehlt jenes helle organische Lebendes Nibelungenlieds, sie sind schon einmal, so zu sagen,übersponnen, und Veränderung oder gar Auslassung möchtenicht als zerstörend, vielmehr als Gewinn zu betrachten sein.Damit wollen wir nicht aufmuntern zu einer solchen Moderni-sirung dieser Gedichte, indem wir es gern abzuwenden wünschten,womit man schon gedroht hat; sie würden ihren einzigen Vor-theil, die reine Sprache, verlieren, aber das Langweilige, Un-poetische und Unrhythmische ihrer Manier noch härter heraus-treten. Die prosaischen Bearbeitungen erfreuen sich schonjenes Gewinns auf die allein mögliche Art. Weiter: bei einerÜbersetzung kann wohl ein gleiches Verhältnis zum Grundliegen zwischen der fremden und einheimischen Sprache, durch-aus nie beim Modernisiren, daher auch deshalb nothwendigeine gänzliche Untreue entsteht. Wie_maneinen Dialekt alssolchen wieder in einen andern übersetzen könnte, nicht aberin die ausgebildete Sprache, so und noch viel weniger kannmau eine solche kindliche und naive Sprache in eine gebildeteoder Schriftsprache übersetzen, die immer in einiger Hinsichtsteif und unlebendig bleibt. Es ist eine Verbindung zwei gegeneinander streitender Punkte, deren Zerstörendes man leicht fühlt,und die Sprache, die daraus entsteht, alte Worte und Wen-dungen in neuen Formen, ist wie zerschlagen, dann zusammen-gepresst, gewaltsam und ungefüg» Endlich: dem schönen natür-lichen Rhythmus, der ein jedes Volksgedicht belebt, geht esnicht besser; auf eine ungeschlachte Weise wird er vernichtetoder ein fremdartiger untergelegt, wie sich überall im Einzelnenwird ausführlich zeigen lassen. / Es fehlt nicht an solchen, I (welche auch die andere Art der Modernisirung: neue Gestaltungder Idee verwerfen und fragen: woher die Notwendigkeit, diese