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1 (1881)
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HAGENS NIBELUNGEN. 65

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Was die Mhinelieder betrifft, so sind sie zwar nicht Über-setzungen provenzalischer Lieder, erscheinen aber durchaus alsdie Kunstpoesie jener adelichen Bildung, und diejenigen ver-kennen ihre Natur sehr, die sie als eine grosse Erscheinungdeutscher Nationaldichtung ausrufen. Wie ganz entfernt sindsie von der Einfalt, dem Epischen und dem natürlichen Rhyth-mus (sie haben einen sehr feinen künstlichen, den kaum die ge-bildete Kunst in der jetzigen Sprache erreicht) der Volkslieder,wie sie z. B. im Wunderhorn gefunden werden. Das Zarte,Anmuthige, die wehmüthige Klage in diesen Liebesmelodienwird nicht leicht verkannt werden, aber dennoch sind es nurVariationen eines einzigen Themas, und wiewohl sehr reich undüppig, stellen sie nur eine einzige Seite des menschlichen Ge-naüths dar. Was nach der heiligen Geschichte oder nach Le-genden bearbeitet worden, zeichnet sich in nichts aus, z. B.Werners Gedicht der Jungfrau Maria; die Quellen sind alle-zeit vorzuziehen. Die goldene Schmiede Conrads von Würz-burg ist merkwürdig durch eine künstliche, höchst bilderreiche,zuweilen dadurch lächerliche Sprache. Sodann die gnomo-logischen und Lehrgedichte: Der Freygedank, als eine Samm-lung deutscher Sprichwörter sehr interessant; der Renner,in mancher Erzählung recht brav; König Tyro von Schottengehört zu dem Besten in der Art; die übrigen Lehr- und Spruch-^ , <,

gedichte entbehren mehr oder weniger eines organischen Lebens,^ o. ,.'

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einer lebendigen Anschauung, um als Poesie genannt werdenzu können. Von den scherzhaften Erzählunoren gilt, was vonden Romanen: grösstentheils aus dem Französischen über-setzt, sind sie viel angenehmer zu lesen in den spätem pro-saischen Bearbeitungen der Gartengesellschaft, Schimpf undErnst usw. Noch ist übrig- von dem zu reden, das ungleichdas Wichtigste und Grösste ist in der altdeutschen Poesie:wir meinen das Nibelungenlied, die in diesen Cyklusgehörigen noch bekannten Stücke und die Gedichte,die unter dem Namen des Heldenbuchs zusammengedrucktsind. mmtlich keine Ü bersetzungen fremd er Sagen, sämmtlichgehört ihnen in keiner Hinsicht der Name einer romantisc henPoesie, Wenn man die Müllerische Sammlung zur Hand

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W. GRIMM, KL. SCHRIFTEN. I.