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1 (1881)
Seite
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HAGENS NIBELUNGEN. 63

Dichter waren, die die Sprache in ihrer Gewalt hatten, so kannes nicht fehlen, dass einzelne Situationen sehr lieblich undreizend erzählt sind, währenddem gleich darauf ein paar hun-dert Verse anheben zu sagen, woher das Gedicht gekommenoder was die Minne sei: denn dabei sind sie gar unerschöpf-lich, und weil das immer von neuem wiederholt wird, so ist esauch dann zuwider, wenn es gut gesagt sein sollte. Bei weitemdas Vorzüglichste ist der Tristan, wo freilich auch manchesBreite vorkommt, indessen sehr viele Situationen eine überausanmuthige Frische und zarte Schönheit haben, wir nennen nurTristan und Isaldens Liebesleben in der heimlichen Grotte.Neben diesem ist der Tyturell anzuführen, dessen Silbenmassund ungemeine Zierlichkeit der Rede sehr einschmeichelnd ist,und dessen mystische und allegorische Tendenz sich auszeichnetdurch Tiefe und innere Lebendigkeit. In dem Leben Carldes Grossen leuchtet noch viel von dem schönen Grund durch.Der Parzifal ist sehr verwickelt und hat in dieser metrischenBearbeitung wenig Ergötzliches. Bei den übrigen: Iwain,Wilhelm von Oranse, Flor und Blanchefleur usw. ist mehroder weniger derselbe Fall. So verhä lt es sich mit den Ge - -«-n-^»/.dichten, die man unter der altdeutschen romantischen Poesie y^^prg^pVit. Sämmtlif.li Übersetzungen fremder Sagen (die vonCarl dem Grossen in Frankreich entsprungen, und von Artusund der Tafelrunde in England, und dort allein in ihrer Rein-heit zu suchen) sollten sie eigentlich nicht für Erzeugnisse alt-deutscher Poesie ausgegeben werden, denn selbst der Nationwaren sie damals fremd; sie konnten nicht aus dem Volk ent-springen, auch nicht zu ihm zurückkehren. Die Ritter jenerZeit erhielten durch ihr Herumziehen, durch die Kreuzzügeeine gewisse eigenthümliche Bildung, in welcher sie diese Ge-dichte übersetzten und eine adeliche Poesie stifteten. Es wargleichsam eine gelehrte, ihnen allein zuständige Poesie, die auf-geschrieben wurde, nicht vom Volk gesungen (daher der Man-gel an Rhythmus), und weil diese Handschriften in grosserAnzahl übrig sind, so beurtheilt man die ganze Poesie der da-maligen Zeit darnach und nennt das altdeutsche National-gedichte, was doch nur als eine besondere Erscheinung in der-