Druckschrift 
1 (1881)
Seite
35
Einzelbild herunterladen
 

ORIGINALITÄT DER NIBELUNGEN. 35

französischen Poesie. Andere (z. B. Jördens) führen an, dasses nach nordischen Sagen bearbeitet worden, wozu dasjenige,was Bodmer in der Vorrede zu Griemhildens Rache aus demTorfäus anführt, mag Veranlassung gegeben haben.

Was den Ottnit und Wolfdieterich betrifft (man sollte dasHeldengedicht nicht als ein Ganzes citiren), so kann man zu-geben, dass die Üppigkeit einiger Stellen die Farbe des Süd-lichen trägt und einige Züge Ähnlichkeit mit denen haben,die in den nordfranzösischen Romanen gefunden werden; alleinabgesehen, dass dieses noch nicht für eine Abstammung vondenselben beweist, so ist das Gedicht in dem noch epischennationalen Ton und in der klaren objektiven Darstellung sogänzlich von jenen verschieden, dass schon deshalb an eine ge-meinschaftliche Abkunft nicht kann gedacht werden. DasRosengartenlied ist sicher deutschen Ursprungs.

Hierzu kommt, dass man in den nordfranzösischen Romanenkeine Spur von dem Ottnit und Wolfdieterich (geschweige vomNibelungenlied und dem Rosengarten) findet.

Die Ansicht des Recensenten ist demnach völlig neu undhätte billig einige Gründe verdient.

Wenn ferner in jener Recension die regelmässigen Stanzenin den drei ersten Theilen des Heldenbuchs als eine merk-würdige Verschiedenheit vom Nibelungenlied erwähnt werdenso ist hierbei übersehen, dass die alten Manuscripte sowohl desOttnit und Wolfdieterich, als des Rosengarten genau dasselbeSilbenmass haben, welches im Nibelungenliede vorkommt, wo-durch dieser Unterschied ziemlich unbedeutend wird.

W. C. G-m.*)*) [Mit einem Zusatz von. Doeen, der hier fehlen durfte.]