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1 (1881)
Seite
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SELBSTBIOGRAPHIE. 17

Ob nun die gebrauchten Mittel: Einreibungen starker Essenzen,Eisen- und Soolbäder, Elektrisieren von Wirkung waren, oderob der Rath, den mir Reil ertheilte, eine Veränderung in denGewohnheiten des äusseren Lebens anzufangen und regelmässigeine Zeit lang durchzusetzen, oder das Fernhalten jeder Arbeitund Anstrengung und die Spaziergänge in den reizendenGegenden von Giebichenstein das Wohlthätigste waren, weissich nicht, aber ich musste doch am Ende der Kur eine Bess-rung meines Zustandes anerkennen. Ich blieb bis zum Herbstin Halle und erfuhr von der Familie des CapellmeistersReichardt, die mich eigentlich zu der Reise dorthin bestimmthatte, die herzlichste Freundschaft. Reichardt war bei manchenEigenheiten und einem starken Selbstgefühl ein Mann von leichtbewegtem, edlem Herzen. Unter seinen musikalischen Erzeug-nissen stelle ich die Compositionen zu Goethes Liedern obenan. Wer sie von den Gliedern seiner Familie hat vortragenhören, hat sie vielleicht erst in ihrem ganzen Werthe kennengelernt. Bei dem jetzigen Geschmack für eine Musik, die nichtReize genug anhäufen kann, Mozarts Werke nur im Ganzenfür schön, im Einzelnen für längst übertroffen hält, sind dieseCompositionen meist zurückgestellt; einem einfachen Geschmack,der die natürlichen Früchte lieber, als den siebenmal abge-zogenen Geist geniesst, und in den überfüllten Blumen ehereinen krankhaften Trieb, als eine Schönheit erkennt, sagen sievielleicht wieder zu.

Die Theilnahme an den grossen Ereignissen jenes Sommerswar allgemein: es war in jener Periode das letztemal, wo dieHoffnung einer Befreiung aufleuchtete. Der Kriegsschauplatzwar nicht so sehr fern, das Corps des Herzogs von Braun-schweig-Oels und eine Abtheilung der Schill'schen Husarenzogen nach einander durch Halle. Ich sah den Herzog aufdem Markte halten und seine ernsten, von den weissen Augen-braunen beschatteten Züge sich ein wenig erheitern, als ereinem Bürger, den er von seinem früheren Aufenthalt in Halleher kennen mochte, die Hand vom Pferde herab reichte. Da-mals schien er bei seinem Abzüge uns Allen verloren, aber erhatte recht gehabt, dem Glücke zu vertrauen, und er glich dem

Vf. GRIMM, KL. SCHRIFTEN. I. 2