16 BIOGRAPHISCHES.
höchsten Grade der Erschöpfung verlassen; ein Gefühl, ich seidann dem Tode sehr nah, war gewiss nicht ungegründet. VieleNächte habe ich schlaflos, aufrecht sitzend, ohne mich zu be-wegen, zugebracht und auf das Grauen des Tages gewartet,das mir immer einigen Trost zu bringen schien. Eine Wachtel,die vor dem Fenster eines Nachbars hieng, hat mir ihn oft zu-erst angekündigt, und noch jetzt kann ich den eigenthümlichenSchlag des Thieres nicht ganz gleichgültig anhören. Es istunglaublich, wie viel man körperlich ertragen kann, und zwarlange Jahre hindurch, ohne doch die Freude am Leben zuverlieren. Das Gefühl der Jugend mag dabei geholfen haben,aber gänzlich fühlte ich mich durch diese Krankheit nichtniedergedrückt und in den leidlichen Stunden arbeitete ich fort,selbst mit Vergnügen. Über meinen Zustand täuschte ich michnicht, und jeden Tag, den ich noch lebte, betrachtete ich alsein Geschenk Gottes; dass ich bei diesen Leiden noch einhalbes Jahr fortleben könnte, schien mir oft ganz unmöglich.Nur so lange ich zweifelhaft war und an Genesung dachte, warich gequält und erst von dem Augenblicke ruhig, wo ich alleHoffnung aufgab, und ich glaube, dass es im Grunde dieserAugenblick war, wo meine Bessrung anfieng. Im Frühjahr 1809reiste ich nach Halle, wo ich Gelegenheit hatte, den berühmtenReil über meine Krankheit um Kath zu fragen. Ich sehe ihnnoch, wie er, den Bericht anhörend, die grossen, blauen Augenunverwandt auf mich richtete. Er war eine grosse Gestalt undin den festen, fast scharfen Gesichtszügen lag zugleich etwasMildes, in seinem ganzen Wesen aber die Sicherheit und volleÜberzeugung, die bei einem Arzte so sehr das Zutrauen erregt.Er legte die Hand lange auf mein Herz, um die Bewegungdesselben zu beobachten, endlich äusserte er, dass bei einemso anomalen Zustande nichts übrig bleibe, als Versuche. Erbat mich späterhin sogar, einige ältere französische Abhandlungenüber Herzkrankheiten nachzulesen, da ihm seine vielfachen Ge-schäfte und die Untersuchungen über das menschliche Gehirn,welche er eben vorhatte, dies selbst zu thun nicht erlaubten.Er sendete mir wirklich Bücher, und ich habe ihm darausreferirt, kann aber doch ein solches Studium nicht empfehlen.