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1 (1881)
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10 BIOGRAPHISCHES.

unserer Natur, als es bei ungestörter, soll ich sagen über-müthiger? Gesundheit der Fall sein mag. Es entgehen dochnur wenige gänzlich der Krankheit, und ich habe auch darineine gerechte Austheilung bemerkt, dass gewöhnlich nur eineLebensperiode davon betroffen wird, und wessen Jugend davonfrei blieb, in männlichen Jahren einen Theil der allgemeinenSchuld hat übernehmen müssen. Ich hatte mich einiger Massenerholt, als mich im Frühjahr 1804 [1803] Jacob nach Marburgabholte, wohin er vorangegangen war. Ich besuchte die Collegiaund zwar unausgesetzt, ohne im Grunde an eine Wiederher-stellung zu glauben. Schon damals erfuhr ich von Hofr. Conradi,der dort Professor war, die freundschaftlichste Theilnahme,und sein ärztlicher Beistand wurde mir auch späterhin und ausder Ferne nicht versagt. Ich habe mit meinem Bruder die-selben Lehrer gehabt und so ziemlich dieselben Collegia gehört;auch ich darf mich Savignys Wohlwollen rühmen und ich weissnicht leicht etwas, das so grossen Eindruck auf mich gemachthat, als sein Vortrag. Ich glaube, es war die Freiheit undLebendigkeit, zugleich das Gemessene und Ruhige dabei, wasso sehr anzog und festhielt. Rhetorische Gaben können füreine Zeitlang blenden, aber sie fesseln nicht. Er sprach freiund blickte nur von Zeit zu Zeit auf ein einzelnes beschriebenesBlatt, und es war bei vollkommner Klarheit und dem Ausdruckinnerer Überzeugung eine gewisse Zurückhaltung und Mässi-gung in seiner Darstellung, deren Wirkung kein rednerischerÜberfluss würde erreicht haben. Seine ganze äussere Er-scheinung war diesem Eindrucke völlig angemessen. Ich hörtezuerst Rechtsgeschichte nach Hugo, dann Institutionen. Savignyrichtete zuweilen, während der Vorlesung, Fragen an die Zu-hörer, schwierigere wurden schriftlich beantwortet. Ich schriebnach, aber was ich mit nach Haus brachte, ward durch das,was in Gedanken geblieben war, ergänzt und das Ganze über-arbeitet. Wir beide erhielten die Erlaubnis, Savigny zu be-suchen und uns Raths bei ihm zu erholen; die Anregung, dienicht bloss von seinen Vorlesungen ausgieng, die Einsicht vondem Werthe geschichtlicher Betrachtung und einer richtigenMethode bei dem Studium war ein Gewinn, den ich nicht hoch