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Officieller Katalog der Gewerbe-Ausstellung
Entstehung
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LXXVIII
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Industrie, die billigen Baumwollgewebe zu verlassen. Sie warf sich auf gemischteGewebe (Wolle mit Baumwolle) und namentlich auf Baumwoll-Biber. Neuerdingsgelang es durch grossartige mechanische Spinnereien und Webereien, auch dieleichten Gewebe wiederzugewinnen. Daneben werden Sammt, seidene und mitSeide gemischte Stoffe hergestellt.

Die erste mechanische Spinnerei wurde 1845 in M.-Gladbach errichtet. Diealte Baumwoll-Hand-Spinnerei, welche im Gladbacher Handelskammerbezirk 18S8noch 32 000 Spindeln in 19 Fabriken beschäftigte, ging rasch zurück und erloschin den 1860er Jahren vollständig. Die mechanische Weberei nahm etwas spätergrossen Aufschwung. Anfangs nur für Nessel, Satin und Beaverteen eingerichtet,ging sie später auf Biber über. Die Zahl der Handstühle, welche 1838: 4603 und1861: 6629 betrug, sank bis 1875 auf 1401, welche meist der Buntweberei dienten.Kraft-Stühle für Baumwoll- und gemischte Weberei gab es im Handelskammer-bezirk 1858: 1001, 1861: 1491; 18G9: 4500; 1874: 6705. Sehr bedeutend ist da-gegen noch die Zahl der Handstühle für Sammt und Seide. Sie betrug im KreiseM.-Gladbach am 1. December 1875: 4809 für Sammt und Sammtband und 2062für Seide und Seidenband.

Tn Aachen blüht die Tuch-Industrie seit dem 13. Jahrhundert. Sie kamdorthin von Flandern und Holland und verbreitete sich gleichzeitig nach Cölnund den kleineren Städten Burtscheid, Düren, Goch und Wesel. Die Hauptsitzewaren im Mittelalter Aachen und Cöln. Der Uebermuth der Wollenweber-Zünfteerregte 1368 in Aachen, 1372 in Cöln blutige Aufstände. Damals waren in Cöln30 000 Tuchstühle in Betrieb und in Aachen sollen derzeit 20 000 verheiratheteTuchweber gewesen sein. Ein Theil der besiegten Cölner Wollenweber wandertenach Werden, Lennep, Hückeswagen und Wipperfürth aus und legte den Grundzu der in diesen Städten noch heute bestehenden Woll-Industrie. In Cöln selbst,ebenso in Goch und Wesel ist die Tuch-Industrie so gut wie verschwunden. InAachen aber, wo sie sich zum grössten Glänze entwickelte, hat sie sich ununter-brochen seit dem Mittelalter behauptet.

Die 1614 aus Aachen vertriebenen Protestanten übertrugen die Tuch-Industrienach Vaels, Eupen und Montjoie. Die französische Herrschaft brachte der StadtAachen Gewissens- und Gewerbefreiheit und mit ihnen grossen Aufschwung.Der Werth der Aachener Wollenwaaren stieg von 5Vs Millionen Francs im Jahre1784 auf 9 Millionen im Jahre 1806. Die erste Spinn-Maschine, von Coclccrell ge-baut, wurde 1821 in Aachen aufgestellt, nachdem Eupen und Montjoie vorange-gangen waren. Im Jahre 1833 gab es in Aachen und Burtscheid bereits 180Assortimente. Seit 1840 wurden die Mulejennys, seit 1860 die Selfactors einge-führt, und die Woll-Spinnerei des Aachener Bezirks wuchs derartig, dass 1876 imItegierungs-Bezirk Aachen 63 694 Selfactors und 329 123 Handmule-Feinspindelnim Betrieb waren.

Seit 1850 wurde auch die Handweberei in den glatten Stoffen von der mecha-nischen Weberei verdrängt. Nur in den gemusterten Stoffen behauptete sich dieHandweberei. Der Begierungs-Bezirk Aachen zählte am 1. December 1875 neben1856 Kraftstühlon noch 2910 Handstühle ohne und 2420 mit Jacquard.

Die Leinenwebereien und Bleichereien Bielefelds wivden im 16. und 17.Jahrhundert durch Einwanderer aus den Niederlanden begründet. Die Flachsvfr-spirmung und die Leinenweberei sind zwar in Eheinland und Westfalen uralt,und ausgedehnte Leinenwebereien waren schon vorher in Osnabrück, Warendorfund Herford vorhanden. Was die Holländer in Bielefeld einführten, war dieFabrication der klaren Leinen. Der grosse Kurfürst erliess 1652 die erste Legge-Orduung, um Maass und Beschaffenheit der Leinwand festzustellen und ihr denlandesherrlichen Stempel aufzudrücken. Friedrich I. gestattete den Leinwand-webereien auf dem Lande die willkürliche Vermehrung ihrer Stühle. Die Fabri-cation der feinen, dichten Leinwand nahm in Folge dessen bedeutend zu. Die»