Druckschrift 
Officieller Katalog der Gewerbe-Ausstellung
Entstehung
Seite
LXII
Einzelbild herunterladen
 

lxii

den letzten 20 Jahren nicht zugenommen, da die bergischen Eisenerze nur geringenGehalt haben und die Eisenbahn den Bezug der reicheren Erze aus dem SiegenerLand ermöglichte. Die Bleierzgruben bei Lintorf sind in den letzten Jahren miterhöhtem Erfolge ausgebeutet worden. Die älteste Eisenhütte ist die St. Antons-hütte bei Sterkrade, welche 17(50 erbaut wurde. Es folgten 1782 die Gute-Hoffnungs-hütte, 1794 die Minervahütte bei Isselburg, und 1830 die Friedrich-Wilhelmshüttezu Mülheim a. d. Ruhr. Der Factor Jacöbi, Theil-Eigenthümer der Gute-Hoffnungs-hütte, wurde 1791 von der Fürst-Aehtissin zu Essen mit allen im Erzstift Essenbefindlichen Eisenerzen belehnt.

Wichtige Eisenerzlager hat der Regierungs-Bezirk Aachen in den KreisenDüren und Schieiden. Der dortige Bergbau auf Eisenerze wurde im 16. Jahr-hundert von eingewanderten Sachsen und Hessen begonnen. Die Eisen-Productionder Kreise Düren und Gemünd (Schieiden) betrug 1818: 58 900 Centner. DieEisenwerke, welche im Schleidener Thale und zu Jünkerath bestanden, sind voretwa 20 Jahren zum grösseren Theile nach Düsseldorf verlegt worden, weil derBezug der Steinkohlen nach der Eifel zu kostspielig wurde. Wichtiger aber sinddie Galmei- oder Zinkerze von Stolberg und Eupen und zu Moresnet am Altenberge(Vieille Montagne) und die grossen Bleierzlagerungen bei Commern. Der berg-männische Betrieb des dortigen Bleibergs datirt aus dem Jahre 1583, wurde dannsistirt, 1629 aber wieder aufgenommen und seitdem stets intensiver gestaltet. DerBergbau zu Altenberg wird bereits im 15., der zu Stolberg im 16. Jahrhunderterwähnt.

Im Regierungs-Bezirk Trier wurden die Eisenerze aus v der Kohlenformation beiSt. Wendel und diejenigen der Eifelkreise schon früh ausgebeutet. Die Verhüttungdes Eisens nahm schon um die Mitte des vorigen Jahrhunderts einen bedeutendenAufschwung. Fürst Wilhelm Heinrich von Nassau-Saarbrücken legte Eisenhüttenan, und im Hochofen zu Sulzbach wurde zuerst auf dem Continent 1767 erfolgreichRoheisen bei Coaks erblasen.*) Die Hütten blieben auch während der französischenZeit in lebhaftem Betrieb und hatten Kriegsmaterial für Frankreich zu beschaffen.Nachdem 1815 der französische Absatz verloren war, ging die Entwickelung lang-samer. Erst mit der Eröffnung der Eisenbahnen begann eine neue Aera. Die altenWerke wurden umgestaltet, neue Hochofen- und Walzwerk-Anlagen ins Leben ge-rufen. Die einheimischen Erze weichen nach und nach der leichter schmelzigen,in grösseren Massen vorhandenen luxemburgisch-lothringischen Minette. Die Eisen-steingewinnung des Regierungs-Bezirks Trier zeigt daher eine Abnahme, und derinländische Eisenstein wird nur mehr zur Gattirung mit der massenhaft eingeführtenMinette verwandt. Im ganzen Regierungs-Bezirk Trier wurden 1864 nur noch51 100 Tonnen Eisenstein auf 19 Gruben von 204 Arbeitern gewonnen, währendim Jahre 1840 die Production auf 27 Zechen mit 1142 Arbeitern 105 362 Tonnenbetrug. Erwähnung verdienen noch die Blei- und Kupfererze bei Bernkastei,welche schon 1494, und die Bleigrube bei Bleialf, welche gleichfalls schon im15. Jahrhundert ausgebeutet wurde. Im Jahre 1840 wurden in 5 Zechen von108 Arbeitern 1720 Centner Bleierz gewonnen.

Im Regicrungs-Bezirk Cöln sind die Bleibergwerke bei Bensberg und an derAgger schon seit alter Zeit in Betrieb. Graf Adolf VII. von Berg soll Endo des13. Jahrhunderts dorthin Bergleute vom Harz berufen haben. Ein Theil der wich-tigen Bleierzlagerungen von Commern gehört dem Kreise Euskirchen an.

Im rechtsrheinischen Bezirk Coblenz und im Bezirk Wiesbaden wird inden Thälern der Lahn und der Dill Bergbau auf Eisenerze seit langen Jahren be-trieben. Der Hüttenberg bei Wetzlar wird schon 1219 erwähnt, uralt sind ferner

*) Diese Yerhüttungsart fand freilich erst in den 1850er Jahren allgemeine Ver-breitung,