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4 (1887)
Seite
460
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460 DIE SAGE VON'POLYPHEM.

Littauischen Aklatis, der Geblendete (Deutsche MythologieS. 980), und dahin habe ich die esthnische Überlieferung gedeutet.Nach einer morgenländischen Sage richtet Salomon an Gott dieBitte, den bösen Geist fühlbarer zu züchtigen, als ein Prophetvermöge, und ihm zum Andenken an seine Empörung dasrechte Auge auszuschlagen, womit wohl das Stirnauge gemeintist (Hammer Rosenöl 1, S. 230).

Wir sehen, dass bei jenen dämonischen Wesen, die nurvon einer Seite göttlicher Abkunft sich rühmen dürfen, wie dieTitanen und Kyklopen, zu denen Depe Ghöz und der mongo-lische Gesser chan gehören, die wilde Naturkraft wieder her-vortritt, die keine Götter achtet. Aber sie tragen ein Zeichenihrer göttlichen Abstammung an sich, und ein solches ist dasgrosse Rundauge. Ich finde es auch in dem mythischen Glaubender Deutschen. Der Wachold.ermann hat ein graues und einschwarzes Auge, die jedes Jahr mit ihrer Farbe wechseln (Auer-bach Dorfgeschichten S. 159), und wird damit bald als Tag-,bald als Nachtalp bezeichnet. Man vergleicht das leuchtendeAuge der nächtlichen Geister mit einem Kornschefi'el, Telleroder Pflugrade (Rochholz Schweizersage 2, S. 84). Sinnvollist es, wenn die drei Trolde nur ein Auge in Gemeinschaft be-sitzen, wodurch der Antheil an der göttlichen Kraft gemindertwird. Diese Beschränkung erscheint schon in der frühestenZeit. Nach Aschylus (Prometheus 797) besitzen die drei, wiejene nordischen Trolde, in der Finsternis lebenden Schwanen-jungfrauen, die Gräen, nur ein gemeinsames Auge, das sie sichabwechselnd zum Gebrauch leihen. Perseus bemächtigt sichdesselben und gibt es nur, wie jener Knabe den Trolden, gegenBedingungen zurück. Das Herausnehmen des Auges aus derHöhlung und das Wiedereinfügen erscheint auch in der Mythevon der Lamia, der Zeus die Gabe verliehen hatte, während29 des Schlafs ihre Augen aus ihrem Kopf nehmen und sie dannwieder einzusetzen (Jacobi Handbuch der Mythologie S. 560).Noch sind Überlieferungen anzumerken, in welchen die Vor-stellung von dem nicht schlafenden, alles schauenden Augehervorgehoben ist. Ein deutsches Märchen (No. 130) erzähltvon drei Schwestern, Einäuglein, Zweiäuglein und Dreiäuglein;das dritte Auge der letzteren kann durch keine Zaubersprüche