{524 BEEICHT ÜBER DIE LANDSTÄNDE IN HESSEN.
haben sich nicht begnügt die Freiheiten und Rechte, aus welchendie eben aufgezählten wohlthätigen Einrichtungen geflossen sind,zu sichern, sie haben fast alle inneren und äusseren Verhält-,nisse des Landes in Berathung genommen und, wie es heisst,zu organisiren angefangen; die verheissenen, noch auszuarbeiten-den Gesetzbücher sollen schliesslich alles ins Reine bringen.Einem Staatsbürger wird fortan nichts mehr übrig bleiben, alsvon exemplarischer Natur zu sein; regulirt er dann sein Be-tragen den gegebenen Vorschriften gemäss, so kann ihm aneinem completen Glücke nichts fehlen. Die zuerst genanntePartei, die diesen Ansichten der Zeit, wonach kaum etwasweniger als alles nur aufzutreibende Vortreffliche gefordert wird,huldigt, hat sich hierbei vorzüglich thätig gezeigt; doch sie nichtallein, auch die Regierung hat diesen Weg bereitwillig vorge-schlagen. Dass solche Experimente anderwärts häufig einenmittelmässigen, oft einen schlechten, niemals einen ungetrübtenErfolg gehabt, ist eine Erfahrung, die man vergeblich vorhält,weil jeder überzeugt ist es besser zu machen und den ander-wärts begangenen Fehler zu vermeiden. Die entgegengesetzteAnsicht ist auch darin im Nachtheil, dass sie keine so glänzendeResultate versprechen kann. Da sie dem wahrhaft bestehenden,in der Eigentümlichkeit eines Staats begründeten [Zustande] nurjene Freiheiten offen und ohne Rückhalt zugetheilt wünscht undauf dieser Grundlage eine stufenweise, glückliche Entwickelungerwartet, so kann sie nicht im voraus bestimmen, bis zu wel-chem Grade und wie schnell ihre Wünsche in Erfüllung gehenwerden. Denn ihr hängt alles von der innewohnenden Kraftab, die niemand ausmessen kann, und sie lässt das Unergründ-liche und Geheimnisreiche des menschlichen Lebens, das sich"in den mannigfaltigsten Formen ausprägt, gelten. Wer dasMetall nicht kennt, kann erleben, dass bei dem Guss die wesent-lichen Bestandtheile nicht ausgefüllt werden, etwa Hände undFüsse ausbleiben, wenn nicht gar der Kopf. Haben die neuenEinrichtungen schon mehrmals die Linie des Zuträglichen undAngemessenen überschritten, sich in Kleinigkeiten, überhaupt inzu viel Dinge gemischt und der freien Bewegung der Regierungallzu enge Grenzen gesteckt, so ist doch noch immer Zeit, in dieser