BERICHT ÜBER DIE LANDSTÄNDE IN HESSEN. 623
zurückgeführt,' aus der er geschöpft war, und der Landmaundurch die Aufhebung der drückendsten Steuer wesentlich er-leichtert, die Gehalte der Staatsdiener, die grossentheils vonNahrungssorgen gequält waren, sind erhöht; noch andere Dingedieser Art, worunter ich auch die Anschliessung an das preussi-sche Zollsystem (die nur ohne den Bruch eines früheren Trak-tats hätte bewirkt werden müssen) rechne, deren Wohlthatunbezweifelt ist und die ich übergehe, weil ich nur Beispieleanführen wollte. Allein hervorheben muss ich noch, was fürden öffentlichen Unterricht gethan ist, weil sich auch darin dieHessischen von den Landständen anderer deutscher Staatenunterscheiden, welche, zum modernen Liberalismus hinneigend,der Künste und Wissenschaften für einen, wenn nicht ganzüberflüssigen, doch nicht zeitgemässen Luxus betrachtet, aufBedürfnisse dieser Art nicht Rücksicht nehmen, wie z. B. derbadische Landtag nicht die billigsten Wünsche der Universität 134AHeidelberg erfüllt hat. Eine polytechnische Schule wurde hierauf Antrag des Bürgermeisters gestiftet, und die UniversitätMarburg erhielt eine jährliche Zulage von 15,000 Thalern; durchdiese Summe kann aber bei richtiger Anwendung allen Haupt-mängeln abgeholfen werden. Man muss, um den Werth dieserWohlthat zu'schätzen, die Lage dieser Universität unter dervorigen Regierung kennen. . Keine Spur von Pietät regte sichmehr gegen die Stiftung des Ahnherrn von Hessen. Nicht nurward keine der dringendsten Bitten berücksichtigt; es war imGegentheil schon ein höchster Befehl erlassen, wonach der bis-herige Beitrag der Staatskasse noch vermindert werden sollte.Die Universität hatte bereits zu den unabwendbarsten Bedürf-nissen ihren Fonds angreifen müssen, und würde, wenn dieserZustand noch ein Menschenleben fortgedauert hätte, ihn völlig'aufgezehrt und sich selbst aufgelöst haben. Für Deutschlandist es wünschenswerth, dass kleinere Universitäten, die nichtglänzende Anstalten, wie Berlin, Göttingen etc., besitzen, aberauch nur den Begüterten eine gründliche Ausbildung möglichmachen, fortbestehen.
Wir haben der lobenswerthen Einwirkungen der Land- 138Bstände gedacht; wir wollen jetzt die Kehrseite betrachten. Sie