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4 (1887)
Seite
609
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EINLEITUNG ZÜE VORLESUNG ÜBER HARTMANNS EREK. 609

liegenden Quelle aus der altgälischen Sage, die uns verloren ist.Die Mabinogion mögen sich auf mündliche Erzählungen bre-tap-nischer Sänger stützen, wie die französischen Dichter, aberbeide auf andere, jedes Mal verschiedene. Wie das* bei derÜberlieferung schon so oft ist beobachtet worden, dass sie sichin dem Fortschritt der Zeit und zu gleicher Zeit fast in jedemMund verändert, so ist das auch hier der Fall gewesen. Wissenwir doch, dass unserem Wolfram zwei Auffassungen der Par-zivalsage bekannt waren, eine von dem Provenzalen Kiot, aberin französischer, d. h. wahrscheinlich nordfranzösischer Sprachegedichtet, der er folgte, und eine andere nordfranzösische vonChretien, die er, eben w.eil sie abweichend war, der Unwahr-heit beschuldigt, was nichts Anderes heissen soll, als dass siedie Sage, die er für die echte hielt, nicht darstellte; auf dieWahrheit der Begebenheiten selbst glaube ich nicht dass siezu beziehen ist. Übrigens war es leicht möglich, dass Chre-tiens Gedicht den bretagnischen Erzählungen näher stand undinsofern den Vorzug verdient.

Das Mabinogi der Erekssage, die uns hier am meisten an-geht, zeigt nicht bloss die schon bemerkte Berührung mit fran-zösischer Auffassung; es stimmt auch am meisten dem Inhaltenach und im Gang der Erzählungen mit den altfranzösischenGedichten. Das Ritterthum ist sichtbar ausgebildeter, die Sittefeiner, Pracht und Glanz der Lebensweise tritt weit mehr hervor.Ferner ist die Darstellung weniger trocken und dürftig;' sie hateinige poetische Ausführlichkeit. Endlich, und darauf müssenwir am meisten Gewicht legen, kommen einige Abweichungenvor, welche, wenn sie auch auf den Gang der Ereignisse weiterkeinen Einfluss haben, doch eine gewisse Selbständigkeit derarmoricanischen wie der französischen Auffassung darthun.Artus erhält in dem Mabinogi das Recht, den Kopf des erleg-ten weissen Hirsches einer Frau, die er auswählt, zu verehren;das scheint alterthümlicher als die Erzählung des französischenGedichtes, wo er von einer Dame einen Kuss nehmen darf, wasschon auf die ritterliche Galanterie hinweist. In dem französi-schen Gedicht verstehen wir nicht recht die Härte, mit welcherErek die Enite behandelt, warum er ihre Treue prüfen will, die

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