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4 (1887)
Seite
608
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608 EINLEITUNG ZUR VORLESUNG ÜBER HARTMANNS EREK.

dem Hofe des Honigs Artus kommt sogar ein Willelm, Sohndes Königs der Franken, vor (Villemarque 2, S. 41). Dagegenspielt das Mabinogi von Peredur, so viel ich bemerkt habe,noch ganz auf dem Boden von England und scheint mir keinearmoricanische Einwirkung erfahren zu haben.

Es ist noch eine Frage übrig: wie verhalten sich die altenfranzösischen Gedichte von Iwein Parzival und Erek zu denMabinogion? Ich rede nicht von der dichterischen Ausbildung.Habe ich Recht, in den erhaltenen Mabinogion nur einen meistdürren Bericht von dem Inhalt zu sehen, so kennen wir diewahre gälische Darstellung nicht; wie die Sachen stehen, ver-dienen die Franzosen in dieser Hinsicht den Vorzug: ihre Dich-tungen haben mehr Fleisch und Blut. Dass sie in den deut-schen Bearbeitungen Hartmanns, Gottfrieds und Wolframs vielund ungemein viel gewonnen haben, habe ich schon oben be-merkt. Es ist also hier bloss von dem Stoff, dem Skelett dieRede. Die französischen Dichter weisen auf bretagnische Er-zählungen hin; namentlich thut das Chretien von Troyes. Auchohne diese Hinweisungen hatten wir dieses Verhältnis als dasnatürlichste voraussetzen dürfen. Weiter geht die Frage: warendie Mabinogion, die wir kennen, ihre Quelle? Der Gedankeliegt nahe, da die Entstehung des rothen Buches, das die Ma-binogion uns erhalten hat, wie wir gesehen haben, ziemlichgleichzeitig mit den französischen Dichtern ist, d. h. in daszwölfte Jahrhundert fällt. Schulz fragt (S. 39): »sind die Mabi-nogion Quelle jener französischen Romane oder umgekehrtabgebleichte schwache Nachbilder jener französischen Blüthe-zeit?« Die Frage ist unrichtig gestellt, weil sie die richtigeAntwort nicht zulässt. Sie sind nämlich beides nicht; das gehtaus einer genauen Vergleichung ihres Inhalts hervor. Auf jederSeite finden wir Eigentümlichkeiten und in der Sage von Par-zival die merkwürdigsten Abweichungen. In manchen Einzel-heiten, scheint es mir, stehen die Mabinogion höher und ent-halten das Richtigere und Bessere: aber auch das Umgekehrtewird stattfinden. W. Müller hat in der Beurtheilung von Schulzdas Rechte bemerkt: die französischen Gedichte und die Mabi-nogion sind verschiedene Ableitungen aus einer weiter zurück-