602 EINLEITUNG ZUR VORLESUNG ÜBER HARTMANNS EREK.
mit Sicherheit ergeben, wenn die Sprache geschichtlich erforschtist, was man bis jetzt noch nicht gethan hat, und sich die er-haltenen Denkmäler der Zeit nach ordnen lassen.
Man unterscheidet folgende Werke: 1. Gedichte namhafterBarden, welche mythischen Inhalts und schon deshalb schwerverständlich sind; sie mögen die ältesten sein. 2. Nur in Prosavorhandene, aber allem Anschein nach metrisch abgefasste Ge-dichte, welche man Triaden nennt, weil darin immer von dreiähnlichen zusammen- oder gegenübergestellten Dingen die Redeist: von drei Personen (ohne Rücksicht auf Gleichzeitigkeit),drei Orten, drei Ereignissen. Es sind sehr eigenthiuuliche, ingewissem Sinn gelehrte Dichtungen, über deren Entstehungund Alter wir im Dunkeln sind und die nur vorsichtig dürfenbenutzt werden. Möglicher Weise sind darin uralte Bestand-theile anzuerkennen; denn sie berühren mythologische Ideen,wie jene Gedichte der Barden. Allein sie enthalten auch ge-schichtliche Beziehungen, die jünger zu sein scheinen. Schlegelgeht so weit, S. 381 die Triaden für Erfindungen des vierzehn-ten bis sechzehnten Jahrhunderts zu erklären. 3. Sagenge-schichte in der Form von Chroniken. Hier ist das Werk desWalther von Oxford, das uns in der lateinischen Übersetzungdes Halfried oder Gottfried von Monmouth, der 1130—1150schrieb und im Jahre 1138 sein Werk beendigte, erhalten ist,zu nennen. Gottfried gibt diese seine Quelle selbst an, undes ist kein Grund da, die Wahrheit dieser Angabe zu be-zweifeln, obgleich man es gethan hat. Schlegel (S. 383) erklärtden Gottfried geradezu für einen Lügner und absichtlichen Be-trüger. 4. Epische Gedichte aus dem Sagenkreis von Artusund der Tafelrunde, von welcher ich gleich näher reden werde.5. Endlich noch in der Bretagne lebende Volkslieder epischenInhalts, die der Graf Villemarque unter dem Titel »Barzas-Breiz,Chants populaires de la Bretagne, in 2 Bänden (Paris 1840) miteiner französischen Übersetzung, Erläuterungen und Volks-melodien herausgegeben hat.
Für uns am wichtigsten sind die unter No. 4 erwähntenepischen Gedichte. Sie werden Mabinogion genannt. Mabinogi,so lautet der Singular, bedeutet Sage, Erzählung, Märchen. Mit