Druckschrift 
4 (1887)
Seite
601
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EINLEITUNG ZUR VORLESUNG ÜBER HARTMANNSEREK. QQl

bilder in nordfranzösischen Gedichten des zwölften Jahrhunderts,Allein woher haben diese geschöpft? Der Inhalt, der Schau-platz weist ihr Britanien als Heimath an, und es ist schon des-halb keine Annahme natürlicher, als dass sie gälischen Ur-sprungs sei. Die Galen, Gallier, ein mächtiger Zweig desgrossen keltischen Stammes (wie die Hochländer in Schottlandund die Iren in Irland) waren die ältesten Bewohner von Bri-tanien und erhielten sich, zurückgedrängt erst von den Römern,die das Land unter Caesar eroberten und im Jahr 426 ver-liessen, hernach von den Angelsachsen, die in der Mitte desfünften Jahrhunderts kamen, endlich von den Normannen, diein der Mitte des elften Jahrhunderts landeten, in dem west-lichen Theil von England, in Wales, Wallis, Cambrien, wo sienur durch die See, die sie von drei Seiten umgibt, von Irlandgetrennt sind. Von gleicher Abkunft mit diesen Galen auf derInsel sind auf dem festen Land die Bewohner von der heutigenBretagne (Britannia minor), die auch Armoricaner hiessen; beideVölker reden dieselbe Sprache mit geringer Verschiedenheit,die früherhin noch unbedeutender muss gewesen sein. JeneGalen in Wales (Briten, Cambrier, Walliser genannt) besasseneigene Dichter, welche Barden hiessen. Von den Dichtungen der-selben sind aus verschiedenen Zeiten eine bedeutende Anzahlvorhanden, und ein Theil davon ist gedruckt. Schon lange istStreit über die Echtheit dieser Dichtungen; zulezt noch hatA. W. Schlegel sie für neuere Erfindungen erklärt, und zwar inhartem, absprechendem Ton. Aber in der neuesten Zeit fängtdas Blatt an sich zu wenden. Es sind Untersuchungen an-gestellt worden und Denkmäler an das Licht gezogen, welchejener überkritischen Vernichtungslust ein Ziel setzen. An sichschon war es unnatürlich, dass so ansehnliche, gegenseitigsich verbürgende, oft den Geist des Alterthums athmende Dich-tungen eine zwecklose Erfindung sein sollten; Überarbeitungen,spätere Einmischungen mögen erfolgt sein; kein Verständigerwird das leugnen; es ist ebenfalls ganz natürlich. Zudem gibtes Handschriften, die in das zehnte Jahrhundert gehören (sowenigstens wird versichert); ob andere bis in das siebente Jahr-hundert zurückgehen, wie man auch behauptet, wird sich erst