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4 (1887)
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600 EINLEITUNG ZUR VORLESUNG ÜBER HARTMANNS EREK.

der Seele nach dem trachtet, was wahrhaftig gut ist, Glückund Ehre folge«. Der Dichter rühmt das im Eingang des Ge-dichts, aber von Artus, nicht von Iwein. Ich will weiter nichtsdagegen einwenden; allein dieser Gedanke ist zu allgemein, alsdass das Gedicht dadurch Eindruck auf uns machen könne.Ich wiederhole es, der Werth des Iwein beruht in der meister-haften Ausführung. Sieht man von der Fabel ab, in welcherHartmann dem französischen Dichter folgt, so verdient das Ge-dicht das grösste Lob. Er hat die an sich widerstrebende Fabelmit deutschem Gemüth erfüllt, und von diesem Gesichtspunktbetrachtet ist sein Werk gründlich, anmuthig, mit den wärmstenund reinsten Farben ausgemalt. Die Legende von Gregoriusist wieder trefflich erzählt; doch hält uns der düstere Inhaltetwas in der Ferne, und etwas Peinliches, das in der Sage vondem armen Heinrich liegt und das sich nicht leugnen lässt,hindert auch hier eine volle Hingebung an die Sage, wie zart,innig gefühlt, ergreifend auch die Auffassung und, man kannsagen, vollendet die Darstellung ist.

Dem Volksepos, dem Nibelungelied, der Gudrun steht Erek,wie überhaupt die höfische Poesie, entgegen. Hier begegnenwir einer ganz anderen Ansicht des Lebens; ich habe das schonfrüher im Allgemeinen ausgedrückt. Zwar ist auch im Erek dieTapferkeit eine abenteuerliche; die durch ihre Übertreibungenden Eindruck vernichtet, allein man muss doch sagen, dass sichhier die Poesie mehr der natürlichen Wahrheit nähert. In derLiebe der Enite sind fein abgelauschte Züge der menschlichenSeele geschildert, und dieses Gedicht hat dadurch einen eigenenReiz erhalten: im Ganzen hat es etwas von dem Wesen desMärchens, wie ja auch die Heldensage in dem Rosengartendiese Richtung genommen hat. Das Märchen, indem es dieSchranken des Natürlichen durchbricht, gestattet der Einbildungs-kraft, sich in das Ungemessene auszubreiten, und stellt dasUnerhörte und Unglaubliche als das Gewöhnliche dar. /

Ich will jetzt von dem Ursprung der Sage reden, die sichin unserem Gedicht darstellt. Erek gehört, wie das andereRittergedicht Hartmanns, zu dem Sagenkreis der Tafelrunde,und beide haben, wie schon angemerkt ist, ihre nächsten Vor-