Druckschrift 
4 (1887)
Seite
593
Einzelbild herunterladen
 

EINLEITUNG ZUR VORLESUNG ÜBER HARTMANNS EREK. 593

die Übriggebliebenen tragen den Verwundeten weg und sagendaheim nichts von ihrer Schande. Erek beginnt aufs Neue derEnite Vorwürfe [zu machen]; sie verspricht Besserung, hältaber ihr Versprechen nicht. Es naht noch grössere Gefahr.Erek kommt in ein unbekanntes Land, dessen Herr ein zwerg-hafter aber höchst tapferer Mann ist. Abermals warnt Enite.Erek empfängt im Kampf eine Wunde, schlägt aber doch nochden Kleinen nieder und schenkt ihm das Leben unter der Be-dingung, dass er seinen Namen nenne. Es ist Guivreiz, Königvon Irland. Beide Helden verbinden sich gegenseitig ihreWunden. Erek nimmt eine Einladung an, doch nur bis zumnächsten Morgen; er will auch keinen Arzt, der seine Wundenheile. (42314629.)

Hier ist eine Lücke in der Handschrift. Haupt hat dieentsprechende Stelle aus dem französischen Gedicht des Chre-tien de Troyes in der Vorrede mitgetheilt. Danach begibt sichErek am andern Morgen wieder auf den Weg und kommt ineine Ebene, wo Artus an dem Rande des Waldes seine Zeltehatte aufschlagen lassen. Gawein, ein Ritter der Tafelrunde,war, müde von einem Ritt, in ein Zelt gegangen und hatteSchild, Speer und Ross aussen bei einer Buche gelassen. Kai(Truchsess des Artus, prahlerisch, aber feig und doch wohl ge-litten, hat etwas vom Falstaff) kommt heran, setzt sich auf dasRoss, nimmt Schild und Speer und reitet fort. Zufällig be-gegnet er dem Erek und wird von diesem erkannt, aber Kaierkennt den Erek nicht, weil auf dessen Schild vor Schlägenund Stichen nichts zu sehen ist und Enite ihr Gesicht verhüllthat. Kai, ohne zu grüssen, greift dem Erek in die Zügel, ver-langt zu wissen, wer er sei, und will ihn zu Artus führen.Erek weigert sich.

So erzählt das französische Gedicht. Das deutsche mussden Hergang etwas verschieden dargestellt haben; denn es be-ginnt damit, dass Kai dem Erek vorschlägt, er wolle dem KönigArtus sagen, er, Kai, habe ihm die Wunden geschlagen under, Erek, sei sein Gefangener. Erek (der ihn schont) will seineStrasse ziehen, aber Kai will ihn zwingen. Jetzt geräth Erekin Zorn und zieht sein Schwert. Der feige Kai entflieht; Erek

\V. GRIMM, KL. SCHRIFTEN. IV. 38