Druckschrift 
4 (1887)
Seite
586
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586 EINLEITUNG ZUR VORLESUNG ÜBER HARTMANNS EREK.

Beide Gedichte sind nicht von besonderem Werth und habennichts Anregendes. Gregorius enthält eine legendenartige Sage.Gregorius, in Blutschande von Geschwistern erzeugt, wird nachseiner Geburt ausgesetzt und gelangt als jugendlicher Ritter indas Land, wo seine Mutter herrscht, mit der er sich vermählt,ohne dass beide sich erkennen. Als das Geheimnis an den Tagkommt, unterwirft er sich siebenzehn Jahre lang der strengstenBusse; dann wird er auf den päpstlichen Stuhl berufen, woseine Mutter zu ihm kommt, um Beichte abzulegen. Sie er-kennen sich und führen fortan ungeschieden ein frommes Leben.Hartmann hat, wie er selbst sagt, das Gedicht ins Deutscheübersetzt; aus welcher Sprache, erfahren wir nicht. In den älte-ren Legendensammlungen kommt diese nicht vor, und einefrühere Darstellung der Sage als Hartmanns ist noch nichtentdeckt.

Die Erzählung vom armen Heinrich hat der Dichter, wieer am Eingang sagt, in einem Buch gelesen; Näheres wissenwir-nicht. Eine Hauptperson darin ist ein Herr Heinrich vonOuwe, also der Herr der Aue, von welcher unser Dichter Dienst-mann war. Wir müssen also eine einheimische Sage darin sehen,deren unmittelbare Quelle wir nicht kennen. Das Gedicht er-zählt, wie eine unschuldige Jungfrau bereit ist, ihr Leben hin-zugeben, um mit ihrem reinen Blut ihren geliebten Herrn vomAussatz zu heilen.

Von dem Iwein oder dem Ritter mit dem Löwen kennen wirHartmanns unmittelbare Quelle. Es war das nordfranzösische[Gedicht] des Chretien von Troyes, der um die Zeit starb (1191),wo etwa Hartmann zu dichten begann. Es ist noch vorhandenund vor kurzem aus einer Pariser Handschrift gedruckt in denMabinogion der Lady Charlotte Guest, Band 1, S. 134214; An-fang und Schluss aus einer vatikanischen ist von Adalbert Keller(Tübingen 1841) herausgegeben. Eine Übersetzung der Mabi-nogion im Auszug lieferte A. Schulz (genannt San Marte) inseinen Untersuchungen über die Arthursage (Quedlinburg 1842).Der Inhalt von Hartmanns Gedicht ist kürzlich folgender. Indem Walde zu Breziljan ist ein wunderbarer Brunnen. Giesstman Wasser daraus auf einen Stein, der dabei steht, so erhebt