EINLEITUNG ZUR VORLESUNG ÜBER HARTMANNS EREK. 585
standen ist, sind seine Werke, in chronologischer Folge geordnet,folgende: 1. Erek, 2. Gregorius, 3. zwei Büchlein, 4. der armeHeinrich, 5. Iwein. Ziemlich gleichzeitig mit Gregorius sindwohl die beiden Büchlein und der arme Heinrich. Das ersteBüchlein dichtete Hartmann als junger Mann, aber wahrschein-lich nach dem Kreuzzug, weil, was er von dem Meer erzählt,eigene Anschauung verräth (Haupt S. XVIII). Weil die Wen-dung im Eingang des Iwein leichter und einfacher ist als imarmen Heinrich, schon aus diesem Grunde hält Benecke (zumIwein 22) den Heinrich für älter. Das letzte Werk, Iwein, istvor 1204 oder 1205 gedichtet.
Von sämmtlichen Dichtungen Hartmanns besitzen wir treff-liche Ausgaben. Den Erek hat Haupt aus einer einzigen, zu-mal späteren Handschrift mit Sorgfalt und Liebe, soweit es beieiner so mangelhaften Quelle möglich war, hergestellt (Leipzig1839 [1871]): nachträgliche Verbesserungen, zugleich mit den Be-merkungen seiner Freunde, sind in der Zeitschrift für deutschesAlterthum mitgetheilt (3, 266—275). Die Lieder, die zwei Büch-lein und der arme Heinrich (der letztere schon von Lachmannin der Auswahl 1820, von Wackernagel im Lesebuch 2. Aufl.1839 und von Wilhelm Müller, Göttingen 1842, besonders be-arbeitet) sind ebenfalls von Haupt in einem Band (Leipzig 1842)zuerst bekannt gemacht und kritisch herausgegeben. Gregoriusist von Lachmann (Berlin 1838) hergestellt, gleich nachdem diegute vatikanische Handschrift von Greith (Frauenfeld 1838) ab-gedruckt war. Iwein, schon längst durch einen schlechten Ab-druck in der Müllerschen Sammlung (Berlin 1785) und vonMichaeler (1786) bekannt, ist von Lachmann mit Bemerkungenvon Benecke schon Berlin 1827 herausgegeben, aber eben jetzt(1843) in einer neuen Ausgabe erschienen und durch die kriti-sche Behandlung des Textes ebenso als durch sorgfältige undgelehrte Erklärung ausgezeichnet, so dass sie als eine Muster-arbeit gelten kann.
Hartmanns Lieder drücken einfache Gedanken und Empfin-dungen schlicht und natürlich aus, zeigen aber keine besondereTiefe. Die beiden Büchlein enthalten Betrachtungen über dieMinne, das erste in einem Gespräch zwischen Leib und Seele.