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4 (1887)
Seite
584
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584 EINLEITUNG ZUR VORLESUNG ÜBER HARTMANNS EREK.

wunderung verdient, übersieht man das unwürdige Ziel, daser sich gesteckt hat, so kann man sein Gedicht vollendet nennen.Gottfrieds Sprache hat wie seine Gedanken eine verführerischeAnmuth: sie strömt in reichem Fluss und weiss in mannigfal-tigen Abstufungen glücklich zu wechseln. Keiner der folgendenDichter, die ihm nachstrebten, auch nicht Conrad von Würz-burg, dem es an rednerischen Gaben keineswegs fehlte, habenihn darin erreicht.

Wir wenden uns zu näherer Betrachtung Hartmanns vonAue. Wir wissen wenig von seinem Leben, und dies Wenigeschliessen wir aus einzelnen Äusserungen, die in seinen Ge-dichten vorkommen. Was Prof. v. d. Hagen in dem viertenBande der Minnesänger zusammenstellt, ist mit Vorsicht zu ge-brauchen: das Beste, d. h. das Sicherste über des Dichtersäussere Verhältnisse hat M. Haupt in der Vorrede zu den Liedernangemerkt. Er nennt sich selbst Hartman von Owe. Wolframnennt ihn Parz. 143, 21 min her Hartman von Ouwe. Er waralso von adelichem Stande; denn herre wird nur ein Kitter ge-nannt, und min her ist eine Höflichkeitsformel, wie min vrouwe,die dem französischen monsieur, madame entspricht. Dass eraus Schwaben war, erfahren wir aus dem Gedicht Heinrichs vomTürlein, die Kröne genannt. Bei Reinbot heisst er der von Ouwe,bei Rudolf von Ems derOuwasre: in dem jüngeren Titurel vonAlbrecht, in der zweiten Hälfte des dreizehnten Jahrhundertsgedichtet, Hartman von der Ouwen.

Er hat schon in der Jugend gedichtet. Sein erstes Werkwar Erek; er nennt sich darin selbst einen unerfahrenen Jüng-ling. Er war auch noch in der Jugend, als er an dem Kreuz-zug von 1197 und 1198 theilnahm. In dem Gregor (625627)rühmt er, dass er bis dahin ein ruhiges Leben ohne Glück undUnglück geführt. In den Liedern klagt er sich der Unbestän-digkeit an, die ihm die Neigung seiner Geliebten mit Rechtentzogen habe. Aber auch der ritterliche Minnedienst scheintihm nicht recht gefallen zu haben. Er sagt in seinen Gedich-ten, dass er gerne bei Frauen von geringem Stand sich die Zeitvertreibe (Lieder 20,.20). Sein Tod fällt zwischen 12101220.Ausser den Liedern, von denen eins nach dem März 1193 ent-