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4 (1887)
Seite
578
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578 EINLEITUNG ZUR VORLESUNG ÜBER HARTMANNS EREK.

einem massigen Band als Handbuch eine leichte und bequemeÜbersicht liefert. Ich theile in vielen und in Hauptpunktennicht die Ansicht von Gervinus. Ich bin nicht selten ganz ent-gegengesetzter Meinung; allein das hindert mich nicht anzu-erkennen, dass es ein geistreiches und lebendiges, mit ausge-zeichneten geschichtlichen Gaben abgefasstes Werk ist, dasgewiss zur Förderung der Wissenschaft beiträgt; es ist daserste, das wirklich aus den Quellen geschöpft ist. Dann aberwird in Vorlesungen über das Ganze von Lachmann für das Be-dürfnis gewiss auf eine ebenso gründliche als belehrende Weisegesorgt. Ehe ich also zur Erklärung des gewählten Denkmalsgehe, werde ich mich erst über den Sagenkreis von Artus ver-breiten und seine Entstehung, Portbildung und sein Verhältniszu dem einheimischen Volksepos darlegen, doch dabei immerunser Gedicht als den eigentlichen Mittelpunkt behandeln, vonwelchem aus wir das Übrige betrachten.

Zu derselben Zeit, wo das Volksepos in dem Nibelunge-lied zum letzten Mal glänzend aufleuchtete, im Beginn des drei-zehnten Jahrhunderts, treten auch die grössten Dichter desdeutschen Mittelalters hervor, ich meine Hartmann von Aue,Wolfram von Eschenbach und Gottfried von Strass-burg. Ich würde diesen noch Walther von der Vogel-weide zugesellen, der etwas später lebte, ihnen aber an inneremWerth nicht nachsteht, wenn ich hier nicht bloss von epischenWerken reden wollte; von Walther besitzen wir aber nurlyrische Gedichte. Es scheint Zufall, dass in einem so engenRaum so ausgezeichnete Geister sich erheben; allein es ist keinZufall. Dieser Erscheinung begegnen wir überall in der Ge-schichte der menschlichen Bildung, und sie hat in einem höherenNaturgesetze ihren Grund. Allmähliches Heranwachsen, lang-sames Erstarken, dann eine Blüthenzeit von nicht langer Dauer,endlich und oft ein schnelles Abwelken und Versinken, daserblicken wir bei allen Völkern und in allen Zeiten. Erst wennein neuer Trieb erscheint, pflegt diesem zu gut zu kommen, wasder vorige gewonnen hatte, und eine abermalige und reichere