EINLEITUNG ZUR VORLESUNG ÜBER GUDRUN. 573
Bemerkungen zu dem Gedicht nach dieser Ausgabe vonHaupt und Jacob Grimm in Haupts Zeitschrift Bd 2 und 3.
Küdrün. Die echten Theile des Gedichtes, mit einer kriti-schen Einleitung herausgegeben von Karl Müllenhoff. Kiel 1845.Ein Viertel nur bleibt übrig; der ganze erste Theil fallt weg.
Hülfsmittel:
Wackernagels Glossar zum Lesebuch. Beneckes Wörter-buch. Ziemanns Wörterbuch. Hahns kleine Grammatik.
Bearbeitungen:
Gudrun, ein episches Gedicht. Programm und Probegesaiig,Leipzig 1836. Es ist keine Übersetzung, sondern eine freie Auf-fassung im Sinn und Ausdruck des griechischen Epos. Sie istmit Geist und Geschmack gemacht, aber ich glaube nicht, dassauf diesem Wege das Gedicht in die Gegenwart kann einge-führt werden. Wahrscheinlich ist Gervinus der Verfasser, aberich kann es nicht mit Gewissheit sagen. In seinem Werk überdie poetische Nationalliteratur handelt er 1, S. 372—383 von un-serem Gedicht.
Gudrun, Nordseesage nebst einer Abhandlung über das Ge-dicht von dem Nordseesagenkreis von San Marte (A. Schulz),Berlin 1839. Keine Übersetzung, sondern eine freie Bearbei-tung mit völliger Umänderung der Form. Ich kann ihr keinenGeschmack abgewinnen; es ist ein lyrisches Element eingeführt,und die alte Dichtung nimmt sich mit den Gedanken und Re-densarten unserer Zeit sehr wunderlich aus. Ob es denen,welche unser Gedicht, überhaupt die Weise der altepischenDichtung nicht kennen, zusagt, weiss ich nicht: mir ist unmög-lich diesen Standpunkt zu nehmen. Die Abhandlung besprichtfreilich wichtige Dinge; der Verfasser hat Kenntnisse, Belesen-heit und Einsicht, aber er beantwortet die aufgeworfenen Fra-gen doch ziemlich dilettantenartig. Es fehlt überall nicht anwunderlichen Behauptungen und Einfällen. Es kostet z. B. demVerfasser keine Mühe, gleich einen britischen Ursprung anzu-nehmen, und weil einige christliche Beziehungen vorkommen,soll der Dichter ein Geistlicher gewesen sein, und dergleichenmehr. Gervinus, Handbuch der Geschichte der poetischen Na-tionalliteratur S. 41, drückt sich vorsichtiger aus: »der letzte