Druckschrift 
4 (1887)
Seite
572
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572 EINLEITUNG ZUR VORLESUNG ÜBER GUDRUN.

Widerstand leistet, und in der Treue gegen ihren Verlobtenscheint sie mehr dem Edelmuth als innerer Neigung zu folgen.Harand ist, wie sich's für einen Sänger geziemt, mit einer ge-wissen zarten Wärme geschildert, und obgleich er sich demWaffendienst nicht entzieht, so fühlt man doch, dass er in einerreineren Luft athmet. Gudrun, deren Gemüth ebenso zart alstief ist, die ebensoviel Muth und Entschlossenheit als jungfräu-liche Schüchternheit zeigt, die mehr von der angeborenen Gross-artigkeit der Seele als von einem leidenschaftlichen Gefühl an-getrieben wird, sie ist noch durch den Gegensatz zu der Gerlindgehoben, die eine boshafte Heftigkeit zur Schau trägt. Wasanderwärts die Kunst ersinnt, das hat hier der unbewusste Triebder Volksdichtung gefunden.

Ich habe noch die nöthigen litterarischen Nachweisungenzu geben.

Wir besitzen von unserem Gedicht nur eine einzige undzumal spätere Handschrift des fünfzehnten Jahrhunderts, die sichzu Wien befindet. Sie ist mit einigen leichten, aber gleichin den Text gerückten Abänderungen in der Sammlung alt-deutscher Gedichte Bd 2 (Berlin 1816) durch v. d. Hagen undPrimisser bekannt gemacht; ein genauer Abdruck wäre bessergewesen.

Im Jahr 1835 erschien Kütrün von Ziemann. Der Textist hier mit grösster Willkür behandelt; es soll eine Herstellungdesselben sein, und einiges davon ist brauchbar, aber der wahreText wäre daraus niemals wieder zu gewinnen. SchätzbareAnmerkungen dazu haben Haupt und A. Hahn geliefert in denErgänzungsblättern der Hallischen Litteratur- Zeitung 1837,No. 11. 12, Haupt ferner in den Hallischen Jahrbüchern 1839,No. 133. 134. Ein Stück in Wackernagels Lesebuch 1. Die2. Ausgabe von 1839 ward erst etwa 1841 versendet.

Die Ausgabe von Ettmüller, Zürich 1841, mit Glossar zeigtbessere Schule und hat manches Lobenswerthe. Ihre Brauch-barkeit wird erschwert durch die Hypothese von den vier Ord-nern, die ihn veranlasst hat den Text zu zerschneiden.