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4 (1887)
Seite
558
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558 EINLEITUNG ZUR VORLESUNG ÜBER GUDRUN.

vorkommen: auf die Siegfriedsage in einer merkwürdigen, viel-leicht älteren Bildung, auf den Schmied Wieland, auf Ermen-rich und Heimo, die wir aus der Dieterichsage kennen; ichhabe davon in der Heldensage S. 1317 geredet. Aber aucheine vielfach bei uns vorkommende, unter dem Namen desSchwanritters noch von Conrad von Würzburg erzählte Sage istin den Eingang des Gedichts verwebt.

Der Inhalt des Gedichts ist der Hauptsache nach einfach.Grendel, ein sumpfbewohnendes Ungeheuer, richtet in der präch-tigen Halle des Königs Hrodgar grosses Unheil an, kommt inder Nacht und erwürgt die schlafenden Helden; "niemand ist imStande, es zu bekämpfen. Da erscheint der jugendliche Beowulf,stellt sich dem Ungeheuer entgegen und verwundet es auf denTod. Dann steigt er in das Wasser und tödtet auch die Mutterdes Ungeheuers, die ebenso furchtbar und entsetzlich ist. MitEhren und Geschenken überhäuft, kehrt Beowulf zurück, wirdspäterhin König und herrscht lange in voller Macht, aber imAlter muss er noch einen Kampf mit einem das Land ver-heerenden, feuerspeienden Drachen bestehen, der einen grossenSchatz bewacht. Beowulf besiegt das Unthier, empfängt aberselbst die Todeswunde. Die Leiche wird feierlich verbrannt,und ein Hügel über ihr errichtet. Beide Kämpfe, gegen Gren-del und gegen den Drachen, mögen in besonderen Gedichtenbesungen sein, die hier zu einem die Thaten des Jünglings undGreises zusammenfassenden Ganzen vereinigt sind.

Auch in diesem Gedicht erscheint die Mischung des Mythi-schen und des Geschichtlichen, das wir als Eigenthümlichkeitdes Volksepos bemerkt haben. Der ältere Beowulf (d. h. Bienen-wolf, Specht, der die Bienen verfolgt und frisst), der in demGedicht angeführt wird, trägt als Stammherr von neun Völ-kern noch den Schein eines mythischen Daseins. Grendel, derWassergeist, und seine Mutter (wie noch heutzutage Volksmär-chen von dem Teufel und seiner Mutter reden) sind dunkle,böse Geister in scheusslicher Bildung. Grendel hat eine durchWaffen nicht zu verletzende Haut und Stahlkrallen, mit denener seine Beute packt, die er mit den Zähnen zerreisst und ver-schlingt. Dass der edle Held erst mit dem Wasser-, dann mit