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4 (1887)
Seite
536
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536 EINLEITUNG ZUR VORLESUNG ÜBER GUDRUN.

Hildebrand und Hadubrand begegnen sich und rüsten sichmit einander zu kämpfen. Da fragt der alte den jungen Heldennach seinem Geschlecht und erkennt, dass Hadubrand seinSohn ist. Er will ihn vom Kampf zurückhalten, sagt ihm, dasser sein naher Verwandter sei, und will ihn durch das Geschenkeines goldenen Armringes begütigen. Aber Hadubrand hältden Alten für einen Betrüger und sagt, sein Vater Hildebrandsei schon lange todt. Der Kampf beginnt, aber hier endigtdas Bruchstück. Wir erfahren den Ausgang durch spätereDarstellungen. Hildebrand besiegt den Sohn und zieht dannmit ihm heim zu der Frau Uote, seinem Weib, das er seitdreissig Jahren nicht gesehen hat und das ihn freudig empfängt.Das Gedicht ist, wie die altheidnischen, wie Muspilli und dasWessobrunner Gebet, in epischen Langzeilen mit Alliterationabgefasst, aber die Darstellung ist ausführlicher und milder alsin den eddischen Liedern von gleicher Form.

Wir besitzen zwei poetische Bearbeitungen des Evangeliumsaus dem neunten Jahrhundert, die an sich nicht in die Geschichtedes deutschen Epos gehören, deren ich aber doch hier Erwähnungthun muss. Die eine hochdeutsche rührt von Otfried, einemMönch zu Weissenburg, der von Geburt ein Franke war, undist um das Jahr 867 beendigt. Das Gedicht ist mehrmals,zuletzt von Graff (Königsberg 1808 in 4), der ihm den NamenKrist beilegt, herausgegeben. Die andere ist in altsächsischer,d. h. niederdeutscher Sprache von einem unbekannten Dichterin dem Kirchsprengel von Münster verfasst und von Schnieller1830 unter dem Titel Heljand sorgfältiger als Otfried vonGraff bekannt gemacht. In diesem Denkmal herrscht noch dieAlliteration; bei Otfried ist sie, wie in anderen Überresten ausdieser Zeit, in dem Lied von der Samariterin, in einem kurzenGebet, in dem schon genannten Ludwigslied, aufgegeben undder Reim eingetreten, der die nach bestimmten Gesetzen derHebung und Senkung gegliederten Zeilen schliesst (alle dieseStücke am besten in Wackernagels Lesebuch I), wie in dem Lied

2 Vol. 8., mit Zusätzen und Verbesserungen aus Handschriften. VollständigeEdda. Naehweisungen s. Heldensage S. 175.