DIE SAGE VON POLYPHEM. 453
verschlagenen Fremdlinge von diesen genöthigt werden, an dasLand zu kommen.
Das wohl zusammenhängende serbische Märchen unter-scheidet sich gleich darin, dass es ein Knabe ist, der in dieHöhle des Riesen geräth und ihn durch seine List besiegt; vondiesem Umstand wird hernach noch die Rede sein. Mit demDolopathos stimmt es, dass der Riese sich den Fettesten aus-sucht, um ihn zuerst zu verzehren, und dass er den Knabenzwingt, an der gräulichen Mahlzeit Theil zu nehmen. Diesersteckt sich, wie der Räuber und Bissat, in eine Widderhaut,was bei ihm leicht auszuführen war. Am merkwürdigsten istder Zusammenhang des zauberhaften Stabes mit dem ver-rätherischen Ring des Räubers: um sich zu retten, müssenbeide den Finger, der davon festgehalten wird, gewaltsam ab-lösen.
Das Märchen aus Siebenbürgen ist mit dem serbischennäher verwandt, doch auch durch einige Züge unabhängig da-von. Der Wunderring tritt wieder an die Stelle des Stabes,lockt aber den blinden Riesen zu seinem Verderben in die Fluth.
Die esthnische Überlieferung tritt darin den übrigen ent-gegen, dass der Riegenkerl nicht in die Macht des Teufelsund mithin in keine Bedrängnis geräth; vielmehr nähert sichdieser ohne feindselige Gesinnung und begibt sich mit derDummheit und Tölpelhaftigkeit eines Riesen (ein solcher warer gewiss ursprünglich) freiwillig in sein Verderben. DieseAuffassung war schon unvollständig; denn die Frage Polyphemsnach dem Namen des Fremdlings ist geblieben, zu der hierder Teufel keinen Grund hat, die aber des Erfolgs wegen, dersich daran knüpft, nicht durfte ausgelassen werden. Der Teufellässt sich bereitwillig binden, statt durch Wein betäubt zuwerden. Wenn ihm geschmolzenes Blei in die Augen gegossen 23wird, so müssen wir darin eine Übereinstimmung mit der Er-zählung im Dolopathos und dem siebenbürgischen Märchen er-blicken ; denn das siedende Ol, das dort bereitet wird, ist wenigdavon verschieden. Von dem Scheitelauge ist auch keine Rede,aber der Teufel verlangt nicht bloss neue, sondern auch grosse