DIE SAGE VON POLYPHEM. 451
Dolopathos mischt erst hier und ganz angemessen das Gast-geschenk ein: nachdem der Räuber aus der Höhle entkommenist, wirft ihm der Riese einen Goldring hin. Der Räuber kannnicht widerstehen, hebt ihn auf und steckt ihn an, wird aberdurch die darin verborgenen Zauberkräfte in neue Gefahrengestürzt. Trefflich ist der Zug, dass der Blinde, der ihn ver-folgt, wider die Bäume rennt, niederstürzt, sich wieder aufrafftund dem Fliehenden so nahe kommt, dass dieser nur durchein gewaltsames Mittel sich retten kann.
Nach der oghuzischen Sage wohnt Depe Ghöz zwar ineinem Felsenhaus, aber nicht an einem fernen, schwer zugäng-lichen Ort, sondern zwischen den Oghuziern, und zwar zu ihremVerderben. Sie müssen ihm Menschen und Thiere zu seinerNahrung liefern und zugleich zwei Diener senden, die ihmSpeise daraus bereiten. Gegen ihn zieht ein Fürstensohn, einjugendlicher Held, nicht um die Schätze des Riesen zu holen,oder aus Neugierde, ihn zu sehen, sondern aus edlen Bewegungs- 21gründen. Er zieht allein, ohne Gefährten. Die Einleitung istalso verschieden, wie der Ausgang, da der Riese getödtet wird.Es fehlt auch nicht an einzelnen eigenthümlichen Zügen. AlsBissats Pfeil den Riesen berührt, meint er, eine Fliege habeihn gestochen: das erinnert an das deutsche Märchen von demstarken Hans, der, als Mühlensteine auf ihn herabgeworfenwerden, glaubt, es seien Sandkörner, von den Hühnern obenlosgekratzt, wie es an die Däumlingsmärchen erinnert, wennBissat in den Stiefel des Riesen gesteckt wird, sich aber heraus-schneidet. In anderen Beziehungen neigt sich die tartarischeSage bald zu der griechischen, bald zu der Erzählung im Dolo-pathos. Wie in dieser, kriecht Bissat, um aus der Höhle zukommen, in die Haut eines Widders, reicht dem Riesen denKopf in die Hand und entschlüpft zwischen seinen Beinen.Noch bestimmter zeigt sich die nähere Verwandtschaft in demzauberkräftigen Ring, von dem wir hier Näheres erfahren undder noch entschiedener in die Entwickelung eingreift. DepeGhöz hat ihn von seiner göttlichen Mutter wohl als Zeichenseiner Abstammung empfangen, und er ist dadurch bis auf dasScheitelauge unverwundbar geworden. In der Hoffnung, sich
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